526

nicht  auch  vorher  nach  seiner  ganzen  Enrstehung  kennen  lernen
  kann.  Man  weiß  von  Ganganelli  als  Cardinal  und  Prälat
  sehr  wenig;  zwar  eristiren  Briese  von  ihm  in  drei  Bänden,
  wahrscheinlich  aber  ist  der  größte  Theil  derselben  apokrophisch,
  und  wenn  man  sie  auch  als  echt  annehmen  wollee,
lernt  man  doch  aus  denselben  nichts  Besiimmtes.  Auch  ist
ein  Leben  von  ihm  gedruckt,  aber  wie  meist  die  Leben  der  Regenten
  sind,  die  unmittelbar  nach  ihrem  Tode  geschrieben  werden
  —  es  ist  fast  aus  den  Zeitungen  geschrieben.

So  viel  sieht  man  aus  den  Büchern,  die  uns  Hauptquelle
seiner  Geschichte  seyn  müssen:  Ganganelli  war  von  jeher
  Gegner  der  Jesuiten.  Dieß  erhellt  aus  den  kleinsten
  Spuren.  In  der  Schule  z.  B.  vertheidigte  er  immer
solche  Theses,  die  gegen  die  partikuläre  Dogmatik  der  Fesuiten
waren.  War  er  Mitglied  von  solchen  Congregationen,  die  in
der  Jesuitensache  gehalten  wurden  —  immer  war  er  gegen
sie.  Aber  den  fürchterlichen  Pabst,  der  er  gegen  sie  wurde,
müssen  sie  doch  nicht  in  ihm  vermuthet  haben;  sonst  hätte
sich  wohl  Ricci  das  Geld  nicht  dauern  lassen,  einen  bessern
zu  bekommen.  Die  ganze  Wahl  wurde  durch  den  Protektor
der  französtschen  Nation,  Cardinal  Bernis,  dirigirt,  der  im
Namen  seines  Königs  dreist  und  drohend  sprach.

Clemens  XIV.  war  einer  der  edelsien  Päbste,  die  je  tegiert
  haben,  der  die  Regicrung  in  den  schwierigsten  Situatio'
nen  antrat,  aber  freilich  unter  noch  schwierigeren  verließ.  Wie
er  sie  antrat,  war  der  ganze  Kirchenstaat  ruinirt,  durch  Nepoten,
  wie  durch  Barbaren  verwüstet,  die  päbstliche  Kammer
mit  Schulden  beladen  (schon  Clemens  Xll.  hätte  gern  den  ganzen
Schatz  von  Sirtus  V.  gehoben,  wenn  es  nur  die  Cardinäle
erlaubt  härten),  und  von  allen  Seiten  der  Zufluß  durch  das
Concordat  gehemmt,  das  Benedikt  XIV.  mit  Spanien  gtmacht
  hatte,  wodurch  die  päbstliche  Krone  jährlich  um  eine