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Sie  waͤhlten  einen  Pabst  —  er  war,  wie  zum  Contraste
gewaͤhlt  —  Braschi,  öder  Pius  VI.  (1775.)  Auch  dießmal
blieben  die  Cardinäle  sich  darin  gleich,  daß  sie  gerade  in  der
allerschwierigsten  Periode  den  einfältigsten  Pabst  wählten.  So
wie  in  den  Zciten  der  Reformation,  wo  man  eremplarisch
fromme,  religidse,  gelehrte,  politisch  feine  Päbste  hätte  wählen
sollen,  Männer  wie  Alerander  VI.,  Leo  X.,  Adrian  VI.  und
Clemens  VII.  gewählt  wurden.  Derselbe  Fall  war  auch  zu
Anfang  des  vierzehnten  Jahrhunderts,  zu  den  Zeiten  Philipps
des  Schönen.  —  Daß  sie  einen  Pabst  wählten,  der  kaum
zum  Fußgestell  von  Clemens  XIV.  dienen  konnte,  war  kein
Wunder,  wenn  man  ein  deutliches  Bild  des  Zustandes,  worin
sich  die  Hierarchie  in  Rom  befinden  muß,  vor  sich  hat.  Wober
  soll  Politik  bei  den  Cardinälen  kommen?  Was  sie  sind,
sind  sie  auf  alten  Kredit.  In  vorigen  Zeiten  war  Rom  das
Centrum  aller  potitischen  Verhandlungen.  Wer  Minister  in
Rom  war,  war  so  gut  als  Minister  in  ganz  Europa.  Jetzt,
seit  dem  spanischen  Successionskriege,  hat  es  aufgehört,  Centrum
  der  Politik  für  Europa  zu  seyn;  nicht  einmal  ist  es  nur
einigermaßen  Beziehungspunkt  der  politischen  Kabalen.  Es
ist  der  gleiche  Fall  wie  mit  den  Holländern.  Bis  auf
die  Zeit  des  Utrechter  Friedens  war  der  Haag  Centrum
aller  politischen  Verhandlungen.  —  Woher  sollte  es  auch
kommen,  daß  die  Cardinäle  große  politische  Köpfe  seyen?
Sie  werden  nicht  mehr  bei  Negotiationen  gebrauchr,  sind  bei
keinem  Hofe  Minister  mehr;  der  letzte  war  Cardinal  Fleury,
Präceptor  eines  blöden  Königs.  Wober  soll  Politik  bei  ihnen
kommen?  Sie  sind  meist  arm  und  müssen  arm  seyn,  da  der
Zufluß  nach  Rom  gehemmt  worden.  Nichts  hindert  aber
mehr  feine,  aufgeklärte  Politik,  als  wenn  man  mit  Guineen
nicht  so  weit  springen  kann,  als  man  will.

Es  kam  also  an  die  Stelle  von  Clemens  XIV.  wenigstens