VI.

Vorlesungen  über  die  Geschichte  des  Pabstthums
  im  achtzehnten  Jahrhundert.

Einleitung.

Bei  jedem  Reiche  in  der  Geschichte  wird  man  finden,
daß  es  stufenweise  gestiegen  und  gesunken  sey.  —  Das  Pabstthum
  scheint  hievon  eine  Ausnahme  zu  machen.  Ereignisse,
die  andern  Staaten  den  Sturz  zuzogen,  waren  dem  Pabstthum
  und  seiner  Erhebung  nicht  hinderlich.  Was  erhebt  ein
Rcich  wohl  mehr,  als  wenn  ein  Regent  lang  bei  der  Regierung
  bleibt,  um  die  Plane  gehdrig  auszuführen,  die  er  anlegte;
  das  Pabsithum  enthält  von  diesem  gerade  das  Widerspiel.
  Wo  sind  wohl  mehr  Vakanzen  gewesen,  als  im  Pabstthum?
  —  Ein  Reich  wird  ferner  sehr  emporgebracht,  wenn
ein  Regent  jung  auf  den  Thron  kommt,  und  durch  mancherlei
  Schicksale  sich  Erfahrung  sammelr,  um  hernach  desto  weiser
regieren  zu  können;  auch  dieß  fällt  im  Pabsithum  weg.
Mönche,  die  unter  Kabalen  in  Klbstern  gelebt,  schwangen  sich
auf  den  Thron,  und  einer  führte  des  andern  Plan  nie  aus.
Kamen  einst  vernünftige  gebildete  Männer  auf  den  Thron,
so  nahmen  die  Sachen  nach  ihrem  Tode  gleich  wieder  einen
andern  Gang.  Bei  dem  allen  steht  das  Reich  doch  noch!