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schien,  als  ob  sich  am  Ende  des  vorigen  und  am  Anfange
dieses  Jahrhunderts.  eine  solche  Menge  großer  Köpfe  zusammengefunden
  hätte,  als  noch  nie  leicht  geschehen,  als  wenn
die  Thäligkeit  erwacht  wäre,  wie  sie  sich  mit  aller  Bemühung
der  Könige  oft  nicht  wecken  lie!  Newton,  Malebranche
und  Leibnitz  waren  zwar  Gelehrte,  aber  in  andern  Fächern,
als  daß  sie  geradehin  auf  den  Zustand  des  Pabsithums  hätten
wirken  können;  doch  veranlaßten  sie,  daß  man  an  manchen
Beispielen  sah,  wie  die  Zeiten  nicht  mehr  wären,  wo  die
Annahme  des  Copernikanischen  Weltsystems  von  der  Inqui-,
sition  bestraft  wurde,  und  wo  die  Galiläi's  ihre  besseren
Einsichten  in  einem  dunkeln  Kerker  büßen  mußten.  Die  Philosophie
  wurde  mehr  rege,  und  Leibnitz  mit  seinen  Zwischen=Vorschlägen
  mag  wohl  hic  und  da  den  wechselseitigen  Haß  der
Protesianten  und  Katholiken  gemindert  haben.  Doch  wichtiger
  ist,  daß  zu  Anfang  dieses  Jahrhunderts  ein  Richard
Simon,  Vossuet,  Fenelon,  Fleury,  Dupin  lebten;
lauter  Männer,  deren  Werke  noch  jetzt  Hauptwerke  sind,  und
die  auf  ihr  Zeitalter  die  größte  Wirkung  hatten.

Richard  Simou  war  Anführer  in  dem  Streben  zu
ciner  freimüthigen  biblischen  Kritik,  die  sich  nicht  im  dogmatischen
  Gängelbande  führen  läßt,  sondern  mit  regem  Eifer  alle
Denkmale  der  alten  Zeiten  auszutreiben  sucht.  Protestanten  und
Katholiken,  alle  standen  zu  ihrer  Zeit  gegen  diesen  Mann  auf,
der  jetzt  allgemein  als  einer  der  Hauptschriftsteller  der  biblischen
  Kritik  genannt  wird.  —  Bossuet  weckte,  zum  Theil
wider  seinen  Willen,  eine  scharf  untersuchende  historische  Kritik
und  wußte  durch  gefälligen  Vortrag  seine  Schristen  ollgemein
brauchbar  zu  machen.  —  Fenelon,  eine  slille  fremme  Seele,
voll  der  sanftesten  Empfindung,  die  in  allen  seinen  Schriften
athmet.  —  Dupin  und  Fleury,  Maͤnner  von  ausgebreiteten
  historischen  Kenmnissen,  die  gegenwärtig  noch  von  Keinem

Spittler's  sämmtliche  Werke.  IX.  Bb.  25