357
erklaͤrte  er  sich  gegen  den  Utrecht'schen  und  Vaden'schen  Friedensschluß;
  fuhr  sters  fort,  über  den  westphaͤlischen  Frieden
das  Wehe  auszurufen;  der  friedfertige  Pabst  wollte  Fortdauer
des  blutigsten  Krieges  haben.

Gar  zu  gern  hätte  er  den  König  der  Könige  gespielt,  es
wollte  aber  in  keinem  Falle  recht  gelingen.  Seine  Parteilichkeit
  für  Frankreich  im  spanischen  Successionskriege  war  ganz
sichtbar,  und  daß  er  dem  Kdnig  Philipp  die  Belehnung
mit  Neapel  versagte,  war  eine  Maske,  worunter  man  sein
ganzes  Gesicht  sehen  konnte.  Wie  aber  Prinz  Eugen's
Waffen  überall  siegten,  so  suchte  er  mit  mehrerem  Schein  den
Kaiserlichgesinnten  zu  machen,  und  begegnete  daher  dem  Koͤ-nig
  Joseph  mit  einer  Gewaltthätigkeir,  wie  sie  jetzt  kein
kleiner  italienischer  Fürst  leicht  mehr  ertragen  würde.  Jeder
Kaiser  hat  das  Recht,  während  seiner  Regierung  in  jedem  unmittelbaren
  Stifte  eine  Stelle  zu  vergeben.  Man  heißt  dieses
  das  Recht  der  ersien  Bitte  (jus  precum  primariarum).
  Seit  Rudolphs  von  Habsburg  Zeiten  hat  man  eine
ununterbrochene  Reihe  von  Beispielen,  daß  nichr  nur  sie,  die
Kaiser,  sondern  auch  ihre  Gemahlinnen  dieses  Recht  ausgeöbt.
haben.  Niemand  fragte  den  Pabst  um  Erlaubniß,  bis  auf
den  einfältigen  Friedrich  III.  Die  Kapitel  wollten  von  diesem
  die  Präsentationen  nicht  annehmen,  unter  dem  Vorwande,
es  siehe  kein  Wort  von  diesem  Rechte  des  Kaisers  in  den
Concordaten.  Ein  lächerlicher  Vorwand,  denn  die  Concordate
bestimmren  nur  wechselsweise  Rechte  des  Pabsies  und  der  deutschen
  Kirche.  Wie  sollte  ein  Dritter  sein  Recht  dadurch  verlieren,
  weil  in  diesen  Verkrägen  nicht  stand,  was  ihn  im
Grunde  nicht  anging.  Aller  Zundthigung  der  Kapitel  los  zu
werden,  ließ  sich  Friedrich  ein  Indult  von  Rom  schicken.
Seine  Nachfolger  machten  es  ebenso,  bis  auf  Leopold.  Dieser
  unterließ  es  zum  ersten  Male,  und  sagte,  es  sey  unter  den