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Unruhen  seiner  ersten  Regierungsjahre  vergessen  worden.  Einem
so  frommen  Sohne,  wie  Leopold,  konnte  man  so  etwas  leicht
uͤbersehen,  aber  das  hielt  der  Pabst  für  unerträglich,  daß
Joseph  l.  seinem  Vater  nachahmen  wollte.  Wie  Demon?.
strationen  nichts  halfen,  so  ließ  Clemens  an  die  deutschen  Bischdfe
  ein  Schreiben  ergehen,  man  solle  keine  Precisten  vom
Kaiser  aunebmen.  Der  Jank  währte  bis  an  Josephs  Tod
und  lebte  mit  Karls  VI.  Thronbesteigung  wieder  auf.  4713
verglich  man  sich  endlich  auf  eine  Art  mit  einander,  wobei
der  Pabst  im  Grunde  nichts  mehr,  als  eine  siandesmäßige
Retraite  gewann.  Die  zwei  Hauptbedingungen  des  Vergleichs
waren:  4)  der  Kaiser  solle  bloß  in  ganz  allgemeinen  Ausdrücken
  um  den  gewöhnlichen  Indult  bitten,  und  2)  zwar  verbunden
  seyn,  das  pöäbstliche  Schreiben,  worin  er  enthalten  sey,
anzunehmen,  aber  nicht  zu  eroͤffnen.  —  Dieser  Streit  über
das  jus  precum  primariarum  war  Kleinigkeit  gegen  die  Händel,
  welche  1708  zwischen  dem  Pabste  und  Kaiser  ausbrachen.

Der  Pabst  hatte  sich  schon  lange  kleine  Bosheiten  gegen
den  Kaiser  erlaubt,  dem  bftreichischen  Hause  jeden  näheren
Schritt  zum  Besitz  der  Länder  der  Krone  Spanien  in  Italien
erschwert,  und  endlich  sogar  die  Geisilichkeit  des  Herzogthums
Parma  dffentlich  darüber  in  Schutz  genommen,  daß  sie  dem
Kaiser  den  Gehorsam  versagte.  Er  thar  dieses  mit  einem
Trotze,  der  durchaus  keine  Vorsiellungen  annahm.  Joseph
ließ  also  endlich  Völker  in's  päbsiliche  Gebict  einrücken,  und
nahm  nicht  nur  Comacchio  (in  Ferrara),  sondern  auch  Bologna
  weg.  Man  bewies  dem  Pabste,  daß  Ersteres  ein  Reichs-Lehen
  sey,  daß  der  Kaiser  also  das  Recht  habe,  es  einzuziehen.
Der  Pabst  hatte  mit  dem  Banne  und  dessen  eigener  Erekution
  gedroht;  er  machte  wirklich  Anstalten,  sich  gewaltsam  zu
wehren,  aber  er  trieb  es  kanm  ein  Biertcljahr.  Die  Partie
war  gar  zu  ungleich,  und  der  Friede,  den  er  eingehen  mußte,