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zu  bringen,  und  weil  der  Pabst  sah,  daß  auch  der  Hof  ganz
jesuitisch  dachte,  daß  viele  Bischoͤfe  keinen  Anstand  nehmen
wuͤrden,  seiner  Eutscheidung  sogleich  nachzukommen,  so  brach
er  endlich  1713  im  September  mit  der  berühmten  Constitutio
  Unigenitus  dei  flias  hervor.  Quesnels  Neues  Testa--ment
  sollte  als  ein  jansenistisch-ketzerisches  Buch  gebrandmarkt
werden,  und  die  jansenistische  Partei  einen  Herzstoß  bekommen,
wovon  sie  sich  nicht  wieder  zu  erholen  wußte.

In  dieser  Constitutio  Unigenitus  waren  101  Sätze  aus
Quesnest  Neuem  Testamente  herausgezogen,  welche  als  ärgerlich
  und  gottlos  verurtheilt  wurden.  Größtentheils  Sätze,  die
aus  allem  Rede-Zusammenhange  gerissen  waren,  und  wobei
man  einen  Commentar  noͤthig  hatte,  um  zu  sehen,  worin
denn  die  Ketzerei  in  denselben  liegen  sollte.  —  Quesnel  protestirte
  nachdrücklich  gegen  alle  Beschuldigungen  des  Jansenismus,
  und  als  Jansenist  war  er  in  dieser  Bulle  verurtheilr.
Dem  Augustinischen  Sysiem,  wofür  doch  die  rômische  Kirche
wirklich  so  große  Achtung  hat,  war  hier  auf's  nachdrücklichste
mitgespielt  worden.  Der  gute  Pabst  war  so  unvorsichtig,
einige  Sätze  zu  verdammen,  die  mir  eben  so  vielen  Worten
  im  Neuen  Testament  standen.  Unerwartet  war  der  Geborsam,
  den  auch  der  Erzbischof  von  Paris  dem  pöbstlichen
Consistorium  leistete.  Noch  im  September  desselben  Tayres
verbot  er  Qucsnels  Neucs  Testament  in  seiner  Didcese,  und
bezeigte,  um  eines  Buches  willen  sich  nicht  von  der  Kirche
trennen  zu  wollen.  Ein  Buch  in  seiner  Diöcese  verbieten  auf
Verlangen  des  Pabstes,  aus  Gehorsam  und  Gefälligkeit  gegen
  ihn,  wäre  ja  nichts  Böses.  Aber  war  es  auch  eines
ehrlichen  Mannes  würdig,  ein  Buch  für  ketzerisch  und  giftig
zu  erklären,  das  man  vorher  als  nützlich  zur  Seligkeit  erkannt
hatte?  von  dessen  Lesung  ein  so  allgemeiner  Nutzen  verspürt
worden  war?