374
in  der  Hoͤlle  seyn,  der  selbst  am  Jubilaͤum  keinen  Ablaß  haben
  soll!

Nach  und  nach  schmiegte  sich  endlich  Alles  in  Frankreich
unter's  Joch.  Auch  die  Benediktiner,  die  sich  am  längsten
gesträubt  hatten,  unterwarfen  sich  endlich.  Der  Sturm  schien
sich  gänzlich  gelegt  zu  haben,  wenn  nicht  entstchende  Windstille
  Vorbote  eines  größern  Ungewitters  wäre.

Durch  alle  diese  Verhandlungen  und  fast  zwanzigjährige
Unruhen  hindurch  sieht  man  ein  paar  Hauptsätze  des  rômischen
  Hofes,  die  sast  der  Geist  des  gegenwärtigen
Systems  sind.

4)  Der  Pabst  schweigkt,  so  lange  er  kann,  läßt
die  Orden  und  verschiedenen  Parteien  sich  zanken;  wenn  aber
einmal  der  Pabst  sich  vergißt,  den  einfältigen  Streich  macht,
in  einer  theologischen  Materie  sich  für  irgend  eine  Partei  zu
erklären,  so  wird  es  Ehrensache  des  heiligen  Stuhls;  es  muß
die  Forderung  des  Gehorsams  durchgesetzt  seyn.

2)  Der  Screit  über  Quesnels  Testament  und  die  dadurch
  veranlaßte  Constitution  Unigenitus  war  zwar  dem
ersten  Scheine  nach  ein  dogmatischer  Streit.  Beschuldigungen
des  Jansenismus  wurden  zum  Vorwande  genommen;  aber  im
Fortgange  war  es  bloß  hierarchischer  Streit.  Der  Erzbischof
von  Paris  war  gar  kein  Jansenist,  aber  er  behauptete  die
Freiheit  der  Gallikanischen  Kirche,  einer  Bulle  ohne  vorbergegangene
  eigene  Prüfung  nicht  glauben  zu
dürfen.  Das  wax  zu  Rom  die  schlimmste  Ketzerei.

3)  Der  Pabst  machte  sich  durch  seinen  Eifer  hicrin  wahrlich
  lächerlich.  Er  schickte  seine  anti-quesnel'sche  Bulle  auch
an  Orte  hin,  wo  man  kaum  Quesnels  Namen  kannte  und
von  keinem  Jansenisten  etwas  zu  befürchten  hatte.  Wenn  er
manche  deutsche  Bischöfe  vor  diesem  neuen  Gifte  so  sehr
warnte,  so  war  es  eben  so  gut,  als  wenn  man  die  Grönländer