590

Gespbtte  gehabt  zu  haben;  man  ließ  ihn  über  das  Wohl  der
Kirche  rathschliesen,  ließ  ihm  über  den  ausgesonnenen  Entwurf
  seine  Freude,  wie  man  ein  Kind  spielen  läßt,  daß  es
nicht  ungeschickt  in  den  Weg  läuft.  Die  Jesuiten  thaten  für
sich  Alles,  was  sie  wollten,  und  Benedikt  war  oft  so  weit
herabgekommen,  daß  er  nicht  einmal  Marionette  des  Spiels
war.  Nur  eine  einzige  Begebenheit  ist  übrig,  die  ihr  Interesse
für  einen  Deutschen  besonders  auszeichnet.

Im  Kanton  Luzern  ist  ein  beständig  residirender  päbstlicher
  Nuntius,  der,  wie  seine  übrigen  drei  Brüder  in  Deutschland,
  bei  jeder  Gelegenheit  seinen  Saum  breit  zu  machen
sucht,  und  deßwegen  bald  mit  den  Vischdfen,  bald  mit  der
Hbrigkeit  Händel  hat.  Im  Jahre  1720  war  Passionei
Numtius  zu  Luzern,  einer  der  gelehrtesten  Römer,  aber  auf
seinen  vorigen  Reisen  sehr  an  einen  zuvorkommenden  höflichen
Ton  gewöhnt,  und  die  Herren  von  Luzern  sprachen  meistens
gut  deutsch  mit  ihm.  Er  war  nicht  lange  da,  so  bekam  er
mit  dem  Magistrate  wegen  der  Kirchen-Immunität  Streit,
und  weil  dieser  nicht  für  gut  fand,  sich  seine  Rechte  vom
Herrn  Nuntius  abschwatzen  zu  lassen,  so  ward  Yassionei  ergrimmt,
  that  ihn  in  den  Bann  und  ging  weg.  Der  Abt
von  St.  Gallen  vermittelte  zwar  noch;  Passionei  kam  zurück,
aber  erboster  als  vorher,  daß  nur  eine  kleine  Gelegenheit  zum
neuen  Losbruch  fehlte.  In  zwei  Jahren  entstand  auch  wieder
eine  neue  heftige  Streitigkeit.  Der  Pfarrer  von  Udingsweil,
im  Kanton  Luzern,  hatte  seinen  Landvogt  auf's  unanständigste
abgekanzelt.  Dieser  hatte  gegen  die  Meinung  des  Pfarrers
das  Tanzen  bei  einem  Kirchweihfest  erlaubt.  Der  Pfarrer
wies  nicht  nur  Alle,  die  sich  der  Erlaubniß  bedient,  vom
Beichtstuhle  weg,  sondern  brauchte  dic  härtesten  Ausdrücke  gegen
  den  Landvogt.  Die  Obrigkeir,  die  ihren  Pfarrer  nicht
für  ibre  Obrigkeit  halten  zu  müssen  glaubte,  setzte  den  Eiserer