und  überdieß  noch  so  jung  war,  denn  er  stand  erst  im  58sten
Jahre,  da  er  den  14.  Februar  1775  gewählt  wurde.  Ein
fast  viermonalliches  Conclabe  gab  der  katholischen  Christenheit
ein  Oberhaupt,  bei  welchem  es  scheint,  daß  man  einmal  in
der  Geschichte  als  das  Merkwuͤrdigste  von  ihm  auszeichnen
werde,  daß  er  Clemens  XIV.  succedirt  habe.  Die  bourbonischen
  Hofe  scheinen  sich  in  seiner  Person  geirrt  zu  haben;
er  zeigte  sich  mehr  als  Jesuiten-Freund,  als  man  unter  solchen
  Umständen  von  einem  Pabste  erwarten  sollte.  Gleich
das  erste  Nothwendige,  Confirmation  des  Elementinischen
Breve  wegen  der  Jesuiten,  konnte  man  nicht  von  ihm  erhalten;
  und  jeder  Schritt,  den  er  auf  der  Bahn  seines
Vorfahrs  thun  sollte,  mußte  ihm  mit  Gewalt  abgezwungen
werden.

Zeitgenossen  können  nie  von  dem  Charakter  der  Regenten
  mit  ganz  offener  Zuverlässigkeit  urtheilen.  Als  Regent
verdient  der  Pabst  auch  Achtung  eines  Protestanten,  doppelt
als  verehrtes  Oberhaupt  eines  großen  Theils  der  Christen.
Man  kann  zu  nahe  an  einem  Grmälde  stehen,  um  Licht  und
Schatten  desselben  richtig  zu  falsen.  Sehr  hart  ist  freilich
das  Urtheil  vieler  Anti-Jesuiten,  daß  er  nicht  einmal  wohl
als  Dekorations-Figur  an  dem  Piedestal  der  Statue  Clemens
  XIV.  gebraucht  werden  könnte.  Gelinder  drücken  sich
diejenigen  aus,  die  behaupten,  daß  der  Unwille  über  einen
mittelmäßigen  Kopf  oft  unverdienter  Weise  daher  entspringe,
weil  dieser  neben  einem  Genie  zu  siehen  komme,  und  daß  es
Zeiten  gebe,  wo  der  mittelmäßige  Kopf  eben  so  brauchbar,
vielleicht  gar  für  gegenwärtige  Umsiände  noch  brauchbarer  sey,
als  der  unternehmende,  unerschrockene,  schnell  handelnde  Mann.
Auch  ein  Pabst  von  großer  Fähigkeit  mußte,  wie  Cäsar  bei
Aleranders  Statue,  weinen,  daß  ihm  Ganganelli  die  Ausführung
  der  größten  That,  die  ein  Pabst.  verrichten  konnte,

Spittler's  sämmtliche  Werte.  IX.  Bd.  28