456

mit  Febronius  mehrere  interessante  Bemerkungen  an  die  Hand.
gibt.  Ein  katholischer  Gelehrter,  der  lange  auf  einer  protestantischen
  Universität  zugebracht  hatte,  tritt  gerade  zu  einer
Zeit,  da  in  der  katholischen  Welt  Alles  über  die  protestantische
Religions-Verbesserung  (im  letzten  Viertel  des  vorigen  Jahrhunderts)
  in  Bewegung  ist,  mit  einem  Versuche  auf,  dessen
ganze  Beschaffenheit  den  Argwohn  erregen  muß,  er  wolle  es
mit  der  katholischen  Dogmatik  machen,  wie  die  Protestanten
es  mit  der  ihrigen  thaten.  Eine  Weissagung,  bisher  ohne
Anstand  auf  den  Messias  gedeutet,  soll  nicht  geradebin  auf
Christus  gehen;  die  bisher  fast  einmöthige  Tradirion  soll  nicht
ihre  Nichtigkeit  haben.  Nun  ist  die  katholische  Christenbeit
bei  weitem  noch  nicht  so  aufgeklärt,  das  Umsioßen  einzelner
Beweisstellen  nicht  als  für  den  Satz  selbst  gefährlich  zu  hal-Hten.
  Der  Beweisspruch  betraf  gerade  eine  Weissagung,  gerade
  einen  Haupt-Urtikel  des  chrisilichen  Glaubens,  und  weil
vorhergehende  individuelle  Umstände  noch  hinzukamen,  die  die
Sache  verhaßt  machten,  so  verurtheilten  mehrere  deutsche  Universiräten
  das  Buch,  noch  ehe  von  Rom  die  Bulle  dagegen
erschien.  Das  Buch  ist  verdammr,  nicht  der  Verfasser,  auf
dessen  Schicksal  aber  doch  die  rômische  Verurtheilung  seiner
Schrift  den  merkwürdigsten  Einfluß  hatte.
Man  sieht  bieraus,  dem  Pabste  iü's  weniger  um  Theologie,
  als  um  Kirchenrecht  zu  thun.  Bei  Febronius  hatte
es  keiner  Anzeige  zu  Rom  gebraucht;  Isenbiels  Versuch,
der  doch  nach  den  Ideen  der  katholischen  Kirche  nicht  gegen
den  Pabst,  sondern  gegen  den  Herru  Christus  ging,  muß  erst
angezeigt  und  um  seine  Verurtheilung  gebeten  werden.  Die
dogmatische  Sklaverei  ist  druͤckend  hart,  die  sich  nicht  nur  auf
die  Glaubenslehren,  sondern  auch  auf  die  Beweise  derselben
erstreckt.  Alles  ist  der  karholischen  Kirche  Spiel  der  Poiitik;
ware  Isenbiel  nicht  vorher  verhaßt  gewesen,  sein  Versuch