458

5)  Nach  allen  bisherigen  Erfabrungen,  die
man  in  der  Geschichte  der  Menschheir  har,  ist  es  unmöglich,
  daß  sich  bei  einem  Volke  Religion  in  eincr
gewissen  Tbätigkei#t  und  Werthschätzung  er  hälr,
ohne  daß  sie  ein  gewisses  Pabsithum  zur  Stütze
hat.  Als  ausgemacht  kann  man  annehmen,  Natur-Re,
ligion  kann  nie  Religion  eines  ganzen  Volkes
werden,  und  keinepositive  Religion  kann  sich
ohne  eine  gewissenganz  vorzügliche  Autorität
seiner  Priester  erbalten.  Es  ist,  als  wenn  das
Volk  seine  Religion  immer  an  die  Person  des  Priesters  geheftet
  hätte,  und  als  ob  sie  von  dorther  erst  immer  den  vollen
  Werth  ihrer  Gültigkeit  erhalten  müßte.  Nur  unterscheidet
  sich  die  Geschichte  des  römischen  Pabstthums  dadurch
  von  der  Geschichte  eines  jeden  andern  Pabsithums,  daß
sein  Fortgang  ungebinderter,  seine  Form  kelossaler,  und  seine
Wirkungen  auffallender  und  ausgebreiteter  werden;  daß  es
zu  einer  Zeit  entstand,  wo  die  ganze  Constikution  von  Europa
noch  so  im  Unbestimmten  lag,  daß  ssch  das  Pabsikhum  sehr
leicht  in  die  Verfassungen  aller  Königreiche  verwickeln  konnre.  —
Ein  Theil  dieser  Bemerkungen  wird  sich  auch  in  der  Geschichte
der  evangelischen  Kirche  erproben,  wenn  wir  die  Geschichre
derselben  in  diesem  Jahrhundert  nach  ihren  Hauptperioden
aus  diesem  Gesichtspunkte  bestimmen.