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Dritte  Periode.

Semler's  Bemühungen  und  eine  immer  reichere  Psychologie,
  die  man  auf  die  Theologie  anwandte,  wurden  der
pietistischen  Periode  am  nachtheiligsten.  Jeder  kennt,  oder
glaubt  den  Charakter  des  Zeitalters  zu  kennen,  in  dem  er
lebr,  fühlt  mit  Freude  oder  Wehmuth  den  herrschend  gewordenen
  Ton,  und  kann  sich  auch  ohne  tiefe  pragmatische  Forschung
  die  Mittel  wohl  erklären,  wie  ein  gewisser  Ton  herrschend
  wurde.  Wenn  die  Bemerkung  wahr  ist,  daß  sich
positive  Religion  nicht  ohne  eine  gewisse  Autorität  ihrer  Priesier
  erhalten  kann,  so  scheint  das  immer  mehr  sinkende  Ansehen
  von  diesem,  wozu  wohl  manche  eigene  Verschuldung
kommt,  der  Religion  nichts  Gutes  zu  prophezeihen,  und  die
immer  mehr  ausgebreitete  Lektüre  mancher  Schriften  könnte
endlich  unser  Volk  so  philosophisch  machen,  daß
es  keiner  Religionslehrer  mehr  zu  bedörfen
glaubte.  Man  wird  von  den  Wirkungen  der  Erziehungs-Bemöhungen
  unseres  Zeitalters,  an  welchen
der  Clerus  durchaus  keinen  Antheil  haben  soll,
erst  in  dreißig  bis  vierzig  Jahren  urtheilen  können.  Vielleicht
  ist  Furcht  und  Hoffnung  gleich  vergebens.