VII.

Vorlesungen  über  die  Geschichte  der  Hierarchie
  von  Gregor  VII.  bis  auf  die  Zeiten
der  Reformation.

In  Gregor  VII.  erblickt  der  Geschichtforscher  ein
Genie,  wie  man  sie  aber  freilich  nicht  zu  wünschen  Ursache
hat,  endlich  einmal  einen  Pabst,  der  einen  Man  hatte,  nach
einer  großen  Absicht  handelte,  welcher  er  mehrere  kleine  Zwecke
subordinirte,  einen  Kopf,  der  sich  nichts  Geringeres  vorgesetzt
hatte,  als  alle  bisherigen  Bande  zwischen  Staat
und  Kirche  zu  zerreißen,  den  Staat  durch  die
Kirche  ganz  zu  unterjochen,  und  sich  selbst  zum
Despoten  der  ganzen.christlichen  Kirche  zu  machen,
  wie  sie  durch  alle  europäischen  Reiche  zerstreut  ist.  In
diesem  Plane  fing  er  unter  Anderem  den  sonderbaren  Investitur-Streit
  an,  indem  er  behauptete,  es  bedürfe  bei  der
Wahl  eines  neuen  Bischofs  keiner  neuen  Belehnung,
denn  was  einmal  der  Kirche  geschenkt  sey,  bleibe  ewig  geschenkt,
  und  ein  Bischof  sey  nicht  verbunden,  im  Fall  eines
entstehenden  Krieges  dem  Kdnige  Soldaten  zu  stellen.  ·

Gregor  starb,  ehe  er  auch  nur  die  Haͤlfte  seiner  Proiekte
  hatte  vollenden  können,  ohne  auch  nur  die  subordinirten