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Unter  ewigem  Schwanken  und  Wechsel  dauerte  der  Investitur=
  Streit  sort  bis  1122.  Damals  war  ein  Pabst  auf
dem  Thron,  aufgeklärter,  billiger,  als  alle  seine  Vorgänger
bis  auf  Gregor  bin,  aus  einem  guten  Hause,  kein  Mönch,
nicht  von  niedriger  Erziehung,  überdieß  ein  geborner  Deutscher,
  Calirt  II.  Da  war  der  ganze  Streit,  der  sich  seit
Gregors  Zeiten  so  sehr  in  eine  Logomachie  verloren  hattc,
gleich  emschieden.  Man  kann  nicht  begreifen,  worüber
denn  gesiritten  worden.  Man  ist  fast  genöthigt,  alle  seine
vorhergehenden  biskorischen  Bemerkungen  zu  verlassen,  und  es
scheint,  als  ob  die  Geistlichkeit  mehr  gegen  das  Insigne  der
Investirur  als  gegen  die  Investitur  selbst  gestrirren  habe;
denn  in  dem  (Wormser)  Concordate  Calixt's  (1122)
wird,  dem  Kaiser  die  Invesiitur  zugestanden.  Und  doch  ist
es  gewiß,  daß  man  dasselbe  als  einen  Sieg  des  Pabstes
über  den  Kaiser  ansah.

Dieß  kam  daher:  Erstlich  verlor  der  Kaiser  schon  unendlich
  viel,  wenn  er  das  Insigne  der  Investitur  verlor.  Bisber
  war  nämlich  die  Gewobuheit,  sobald  ein  Bischof  starb,
bemächtigte  sich  der  Gouverneur  des  Orts  des  Bischofs-Stabes
und  des  Bischofs-Ringes.  Es  ging  eine  Deputation  vom
Kapitel  nach  Hofe.  Sie  konuten  am  Orte  des  Bischofs  keinen
  Bischof  ordentlich  einweihen,  wenn  jene  Julsignien  fehlten.
War  also  der  Kaiser  Herr  derselben,  so  hatte  er  es  ganz  in
seiner  Gewalt,  wer  und  wann  derselbe  Bischof  werden  sollte.
Nun  aber  war  aller  Vorwand,  sich  beider  zu  bemächtigen,
abgeschnitten.  Auch  dadurch  verlor  der  Kaiser  zweitens
sehr,  daß  durch  das  Concordat  des  Calirius  bei  allen  Stiftern
  freie  Wahl  feltgesetzt  wurde.  Es  war  zwar  bei  den
meisten  deutschen  Bisthümern  schon  bei  ibrer  Fundation  bestimmt
  worden.,  daß  die  Kapirel,  nicht  bloß  die  Domherren,
sondern  auch  die  Optimaren  von  den  Laien,  das.  Recht  haben