448

Analogie  in  der  päöstlichen  Geschichte,  daß  sich  der  Pabsi  erhebt,
  wenn  die  weltliche  politische  Macht  am  festesten  gegruͤndet
  ist.  Es  würde  auch  hier  unbegreiflich  seyn,  wenn
man  hier  nicht  zum  ersten  Male  die  Erscheinung  in  der
Welegeschichte  häntc,  was  gegen  alles  Ansehen  bürgerlicher  Gewalt
  Literatur,  Federn  der  Schriftsteller  und
der  durch  sie  herrschend  gewordene  Ton  vermdgen.
Die  Kaiser  im  eilsten  Jahrhundert  hatten  die  Mönche  in  ihren
Klöstern  sorglos  schreiben  lassen.  Kaiser  Heinrich  IV.  hatte.
sich  nicht  darum  bemühr,  in  seiner  Streitigkeit  mit  Gregor
Schriftsteller  auf  seine  Seite  zu  bekommen.  Er,  der  von
nichts  wußte,  als  von  seinem  Degen,  bloß  Ritter  war,  konnte
nicht  begreifen,  daß  am  Ende  die  Schreiberei  in  den  Kloͤstern
seinem  Ansehen  einen  forkdauernden  Schaden  bringen  könne.
Daß  das  aber  möglich  sep,  zeigte  sich,  sobald  durch  Entst  ehung
  der  Universitäten  die  bisher  mehr  im  Geheimen
fortgehenden  Wirkungen  der  Literatur  offenbar  wurden.

Die  Emstehung  der  Universitäten  macht  eine  Haupt-Epoche
  nicht  nur  in  der  Geschichte  der  Literatur,  der  politischen
  Geschichte  eines  jeden  einzelnen  Landes,  wo  zuerst  Universitäten
  entstanden,  sondern  auch  in  der  Universal=  und
Kirchen-Hisiorie  des  mittleren  Zeitalters  überhaupt.  Die  Sache
ist  die.  Bis  in's  zehnte  Jahrhundert  wußte  man  von  keinen
anderen  Schulen,  als  solchen,  die  in  Domstiftern  sich  bildeten;
in  denen  ein  Schulmeister  war,  der  hier  Schule  hielt.  Die  Jünglinge,
  die  in  eine  Schule  gingen,  wohnten  auch  dort  gemeiniglich
  zusammen.  Am  Ende  des  eilften  Jahrhunderts,  als
Literatur  aufzuleben  begann,  ereignete  es  sich,  daß  hie  und
da  in  der  Stadt  sich  Einer  setzte,  in  Paris,  Bologna,
Orford,  und  da  seine  Schule  gleichsam  öffnete.  Er  gehörte
  bier  zu  keinem  Dom  und  Kloster,  sondern  er  kuͤndigte
an:  wenn  Jemand  diese  oder  jene  Wissenschaft  bei  ihm  lernen