450

in  Paris,  so  hielten  die  Landsleute  zusammen;  es  entstand
also  an  einem  solchen  Orte  eine  Theilung  in  Nationen.  Sobald
  sich  nur  der  erste  Schimmer  von  Consociation  gebildet
hatte,  so  kam  Privilegium  auf  Privilegium  vom  Pabst  und
vom  König,  z.  B.  daß  Jemand,  so  lange  er  auf  Universttäten
  sey,  die  Einkünfte  seiner  Pründe  fortgenießen  könne,  während
  nach  alten  Kirchen-Gesetzen  sich  einer  bloß  an  dem  Orte
seiner  Pfründe  aufhalten  durfte.
.  Das  unschuldig  enrstehende  Institut  hatte  die  erstaunendsten
  Folgen;  Folgen,  denen  man  es  eigemlich  zuschreiben  muß,
daß  alle  Macht  der  Könige  bis  in's  fünfzehnte
Jahrbundert  gegen  die  Macht  der  Päbste  nicht
hat  wirken  können;z  daß  der  Menschenverstand  im  zwölften,
  dreizehnten  und  vierzehnten  Jahrhundert  die  Richtung
nahm,  die  er  genommen  hat;  daß  Dogmatik  und  Religion  die
bestimmte  Corruption  litt,  die  sie  wirklich  erlitten  hat.
Die  sichtbarste  Folge  ist  ersilich  diese:  Der  Pabst
botte  jetzt  zwei,  drei  Kanäle,  von  wo  aus  er  den
Menschenverstand  aller  künftigen  Generationen
leiten  und  lenken,  zwei  Centralpunkte,  von  wo  aus  das
Ganze  entweder  verdunkelt  oder  erhellt  werden  konnte.  Man
denke  sich  in  diese  Zeiren  hinein;  war  z.  B.  in  Halberstadr
ein  Mann  an  der  Schule,  der  seinen  Schölern  aufgeklärte
Ibeen  beibrachte,  in  Hildesheim  ein  anderer  Dom-Scholaster,
der  sehr  für  den  Pabst  sprach:  so  mußte  nothwendig  bei  der
alten  Einrichtung  große  Varietät  entstehen,  welcher  der  Pabst
nicht  abhelfen  konnte.  Der  bisherige  freie  Verkehr  verwandelte
  sich  jetzt  aber  in  Monopol,  und  der  Pabst  hatte  sich
in  Bologna,  Paris  und  Orford  drei  Monopolien  gesichert.
Sobald  sich  aber  die  Universitäten  wiever  vermehrten,  und  dadurch
  das  Monopol  geschwächt  wurde,  so  kam  der  alte  glückliche
Zustand  wieder.  Man  sieht  also,  wie  wenig  die  Pöäbste  ihr