451

Intcresse  kannten,  wenn  sie  selbsi  die  Vervielfältigung  der
Universstäten  beförderten.

Eine  zweite  Folge  war:  die  Gemeinschaft  des  Zusammenlebens
  in  den  Stiftern  hoͤrte  nun  voͤllig
auf.  Das  Zusammenwohnen  der  jungen  Geistlichen,  die  unter
  dem  Dom-Scholaster  standen,  war  noch  der  letzte  Ueberrest
  von  der  alten  Communio  vitae  gewesen.  Jetzt  aber
börten  die  Dom-Schulen  auf,  und  mancher  junge  Canonikus
ging  nach  Paris  oder  Bologna.
Eeine  dritte  Folge  war:  unglückliche  und  glückliche
Erfindung  neuer  Disciplinen.  Wiil  gar  nicht  vorgeschrieben
  war,  wie  viele  solcher  unabhängigen  Lehrer  an  einem
  Orte  sich  setzen  sollten,  so  kam,  als  die  Sache  Beifall  erhielt,
  einer  nach  dem  andern,  und  jeder  suchte  Terrain  zu
gewinnen.  So  war  einer,  der  Theologie  nach  ihrem  ganzen
Umfange  lehrte,  ein  anderer  separirte  Jus  Canonicum  von
der  Thoolegie.  Eine  Menge  neuer  Discipliuen  entstanden.
Eine  für  die  Kirchen-Geschichte  unglückliche  Folge  wärbisher
  war  jeder  gute  Kopf  Geifilicher  geworden,  besonders  wenn
es  ein  Jüngling  von  niedrigem  Stande  war;  jetzt  aber  fand
er  ganz  neue  Wege  zu  eben  denselben  Ehreustellen.  Das  alte
Ding  von  Theologie,  Dogmatik,  Ketzerrollen  ließ  man  liegen,
und  studirte  Medizin,  Jus  Romanum,  hoͤchstens  legte  man
sich  auf  disputirende  Philosophie;  so  daß  der  Pabst  sich  mit
dem  groͤßten  Eifer  entgegensetzen  mußte.  In  den  Coneilien=Schlüssen
  der  letzten  Hälfte  des  zwolften  und  durch's  dreizehute
  Jahrhundert  wurde  sehr  geeifert,  die  Eleriker  sollto
nicht  Medizin  treiben,  sich  nicht  auf  roͤmisches  Recht  legen:!

Noch  eine  wichtige  Folge  war,  daß  nun  das,  was  bisher
noch  allein  der  Barbarei  gesteuert  hatte,  Studium  der
Grammatik,  Lesung  der  Elassiker,  sank.  Wer
wollte  jetzt  noch  mit  der  Grammatik  paradiren!  Es  schien

29.