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folgende  Pabst  mehr  zu  thun  scheint,  als  sein  Vorgänger,  ist's
doch  nicht  mehr,  als  Entwickelung  der  alten  Theorie.  Man  sicht,
wie  sich  jetzt  mit  einem  Male  Alles  stärker  nach
Rom  hinzieht.  Es  wurde  kein  Orden  mehr  gestiftet,  der
nicht  gleich  bei  seiner  Stiftung  cremt  geworden  wäre.  Rom
wird  jetzt  vollkommen  das  Centrum,  weil  in  den  pseudo-isidorischen
  Dekreralen  der  Pabst  als  Monarch  der  Kirche  geschildert
  wird.

Als  Probe,  wie  sich  Alles  nach  Rom  hinzog,  kann  unter
  Anderem  gelten:  die  Geschichte  der  Kanonisation.
  In  den  alten  Zeiten,  in  den  sechs  ersten  Jahrhunderten,
  wurde  man  auf  folgende  Art  zum  Heiligen:  wenn  man
lange  todt  und  verfault  war,  breitete  sich  die  Nachricht  aus,
es  geschehen  Wunder  bei  dem  und  dem  Grabe.  Das  Volk
lief  hinzu.  Wurden  der  Wunder  viele,  so  rief  man  den  Heiligen
  an,  Regenwetter  zu  machen,  einem  kranken  Kinde  zu
helfen  u.  s.  w.  Also  zuerst  kanonisirte  das  Volk.  Das
war  bald  nachher  mit  Mißbrauch  verbunden.  Das  Wolk  kanonisirte
  Manchen,  der  vielleicht  eben  so  gut  unter  dem  Galgen,
  als  auf  dem  Kirchhof  hätte  paradiren  konnen.  Der  Bischof,
  welcher  Oberaufsicht  dabei  haben  mußte,  zog  die  Sache
an  sich,  untersuchte  die  Wahrheit  der  Wunder.  Allein  er
durfte  es  nicht  für  sich  thun,  sondern  er  mußte  die  Untersuchung
  auf  einer  Synode  vornehmen.  Glaubte  man  dann  zu
finden,  daß  wirklich  Wunder  geschehen  seyen,  so  konnte  man
dem  neuen  Heiligen  zu  Ehren  Kapellen  in  der  Didcese  bauen.
Das  waren  aber  nur  Didcesan-Heilige.  Auf  diese  Weise
hat  denn  auch  der  Pabst  für  seinen  rmischen  Sprengel  kanonisirt.
  Im  zehnten  Jahrhundert  jedoch  hatten  die  Domherren  von
Augsburg  den  Einfall,  einen  ihrer  Bischösfe,  Ulrich,  zum  Universal-Heiligen
  der  Kirche  machen  zu  lassen.  Sie  supplicirten
  beim  Pabste,  er  möge  ihn  kanonisiren.  Der  Bischof