501

wollte  Spruͤnge  machen,  Sigismund  aber  machte  selbst  eine
Reise  nach  Spanien,  damit  der  Koͤnig  von  Arragonien  ganz
seine  Hand  von  ihm  abziehe.  Als  er  starb,  wurde  der  an
seine  Stelle  gewählte  nicht  anerkannt.

Eine  Hauptangelegenheit  war  also  vollendet;  die  drei
Mäbste  waren  abgesetzt,  oder,  die  Kirche  hatte  sich  der  drei
entladen,  war  nicht  mehr  ecclesia  triceps.  Nun  aber  entstand
  eine  große,  wichtige  Frage:  Soll  man  einen  neuen
Pabst  wählen,  oder  vor  der  Pabstwahl  Resormation
vornehmen?  Da  war  man  nur  über  die  Ordnung  der
Materien  streitig.  Von  dieser  Ordnung  aber  hing  Alles  ab,
und,  wie  der  Erfolg  bewies,  ward  durch  die  gewählte  Ordnung
  derselben  die  ganze  Synode  vernichtet.  Ein  Theil,  besonders
  die  Italiener  —  denn  diesen  lag  am  meisten  daran,
wie  die  Reformation  ausfiele,  weil  die  großen  Geldausflüsse
der  übrigen  Welt  nach  Iralien  gehemmt  werden  sollten,  —.
bestand  darauf,  zuerst  mösse  ein  Pabst  gewählt  werden.
Ihr  Hauptargument  war  dem  Kirchen-Regimente  dieses  Zeitalters
  nicht  entgegen;  eine  Resormation,  die  man  vornehme,
ohne  daß  die  Kirche  ein  gültiges  Oberhaupt  hätte,  sey  für.
die  Zukunft  nicht  zuverläßig.  In  der  That  aber  wollten  sie
nur  so  viel  möglich  das  Stereben  der  Deutschen  nach  Reformation
  zu  verhindern  suchen.  Deutsche,  Franzosen  und  Engländer
  waren  der  Meinung,  vorher  Resormation,  und
dann  Pabstwahl;  da  sic  voraussohen,  daß  bei  einer  auf  der
Synode  veranstalteten  Reformation  der  neugewählte  Vabst  das
groͤßte  Hinderniß  seyn  werde.

Man  zankte  sich  lauge  anf  der  Synode.  Es  wurden
viele  Deliberationen  und  allgemeine  Sessionem  gebalten;  man
konnte  sich  nicht  vereinigen.  Wenn  man  durch  majora  hätte
entscheiden  wollen,  so  wären  dlese  sicher  für  die  Partei  der.
Deutschen  gewesen;  aber  auf  die  Seite  der  Italiener  und