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worüber  es  noch  keine  feste  Kirchen-Orthbodorie  gab;  ein  eifriger
  Mann,  der  auf  der  Kanzel  und  dem  Katheder  gegen  Pabst
und  Geistlichkeit  auf's  heftigste  loszog.  Das  war  aber  nicht
Heterodorie,  sondern  Lieblingsthema  des  Zeitalters,  so  daß
man  einen  Prediger  nicht  lieber  hörte,  als  wenn  er  jener  Richtung
  folgte.  Selbst  auf  der  Synode  zu  Cosinitz  sprach  man
vollig  frei,  fast  noch  ungebundener  als  er,  gegen  das  Verderben
  des  rdinischen  Hofes  und  der  Geistlichkeit.  So  orthodor
er  war,  so  eifrig  war  er  auch  in  doppelter  Beziehung  als
Professor.  Erstlich  gegen  den  Erzbischof.  Ein  wackerer  Professor
  batte  sich  gegen  diesen  zu  wehren;  er  war  Kanzler  der
Universität,  und  chikanirte  besonders  die  Professoren  der  Theologie
  auf  allerlei  Art,  z.  B.  mit  der  Extheilung  des  Rechts,
Baccalaureen  zu  kreiren;  ferner  auch  in  Ansehung  der  Censur
der  Bücher,  welche  er  als  Kanzler  haben  wollte,  während  sie
doch  der  theologischen  Fakultät  gebührte.  Wenn  es  nun  so
gegen  den  Erzbischof  ging,  sprach  unter  allen  Professoren  keiner
  unerschrockener  als  Huß.

Aber  auch  ein  patriotischer  Professor  war  er,  als  geborner
  Böhme.  Auf  der  Universität  Prag  hheilte  sich  Alles,
  weil  Prag  nach  dem  Muster  von  Paris  eingerichtet  war,
in  vier  Haupt-Nationen,  und  wenn  z.  B.  ein  Rektor  zu  wählen
  war,  so  standen  imimer  die  vier  Nationen  gegen  einander.
Nach  der  ersten  Einrichtung  Karls  IV.  sollten  die  Böhmen
bei  einer  Rekrorwahl  drei  Vota,  und  die  Fremden  nur  ein
Votum  haben.  Das  war  aber  außer  Gang  gekommen;  die
Fremden,  als  die  zahlreichsten,  besonders  als  die  Böhmen  von
den  Deutschen  auf  dem  Rathhause  vertrieben  worden  waren,
machten,  daß  sie  drei  Stimmen  und  die  Böhmen  nur  eine
bekamen.  Huß  nahm  sich  vor,  bei  der  nächsten  Rektorwohl
durchzusetzen,  daß  seine  Böhmen  ihre  drei  Stimmen  wieder
erhielren,  und  die  Deutschen  auf  eine  einzige  Stimme  eingeschränkt