506

komme,  ihn  auf  der  Synode  zu  Costnitz  als  einen  Ketzer  angab.
  Es  war  eine  Anklage  von  seinem  Feinde,  von  einem
einzigen  Manne;  indeß  —  die  Synode  citirt  ihn,  und  er
nimmt  keinen  Anstand,  binzugehen,  läßt  sich  aber  vom  Inquisior
  in  Prag  ein  Testimonium  Orthodoxiae  geben.  Es
kommt  ihm  nicht  in  den  Sinn,  was  sich  da  ereignen  könne,
denn  er  war  in  der  Tbat  kein  Ketzer;  er  zieht  ganz  ruhig
hin.  Aber  als  er  in  Cosinitz  war,  trafen  folgende  Umstände
zum  Ungläck  des  großen,  vortrefflichen  Mannes  zusammen.
An  der  Spitze  der  Costnitzer  Synode  stand  Gerson,  der  der
pbilosophischen  Gegenpartei  von  Huß  zugethan  war,  und  auf
den  Unterschied  zwischen  Nominalisten  und  Realisten  so  hartnäckig
  hielt,  als  auf  das  Wohl  der  Kirche.  Ferner,  er  war
kaum  von  Prag  abgereist,  so  reisten  ihm  ein  paar  Prager
Professoren  nach,  deren  Hörsäle  er  entvölkert  haben  mochte,
weil  er  so  entschiedenen  Beifall  hatte,  die  also  in  Costnitz  nun
laut  gegen  ihn  sprachen.  Was  noch  wichtiger  ward,  war:
der  größte  Theil  der  Votirenden  auf  der  Synode  waren
Deutsche,  und  von  den  ehemaligen  Studenten,  die  er  1408
und  4409  ausgetrieben  hatte,  waren  manche  Bischöfe  geworden,
  die  nun  über  Huß  votirten.  Der  Rektor,  Johann  Hoffmann,
  der  die  Studenten  bei  ihrem  Auszuge  angeführt  hattc,
saß  als  Bischof  von  Meißen  auf  der  Synode.  Also  gerade
die,  welche  Huß  persönlich  beleidigt  hatte,  waren  seine  Richter.
  Aber,  sollte  sich  dennoch  Huß  zu  fürchten  haben?  Der
Bruder  des  Königs  —  und  bei  seinem  Könige  war  er  sehr
beliebt  —  hatte  ihm  einen  Geleitsbrief  ausgesiellt,  daß  er
sicher  nach  Costnitz  bingehen,  sicher  von  Costnitz  zurückkommen
  könne.  Sollte  er  zu  fürchten  haben,  daß  Sigismund
sein  kaiserliches  Wort  nicht  halte,  daß  Sigismund,  welcher
die  Böhmen  so  sehr  schonen  mußte,  weil  Wenzel  keine  Kinder
  hatte,  und  er  Böhmen  als  sein  Erbe  im  Prospekt  vor  sich