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Sobald  man  in  Prag  davon  hörte,  daß  Hussen  der  Prozeß
  gemacht  worden,  die  Deutschen  ihr  Opfer  erhalten  sollten,
der  Erzbischof  triumphirte,  reiste  sogleich  Hieronymus  von
Prag,  Hussens  vertrauter  Freund,  nach  Costnitz,  um  ihn
zu  vertheidigen.  Wenn  nun  schon  Hieronymus  keine  andere
Meinung  hatte,  als  Huß,  so  war  doch  auch  er  ein  Ketzer.
Die  Kirche  hatte  ja  einmal  erklärt,  Huß  sey  ein  Ketzer;  das
mochte  wahr  seyn  oder  nicht,  Jeder,  der  sich  der  Meinung  der
Kirche  widersetzte,  war  ein  Ketzer.  Hieronymus  mußte  also,
schon  nach  damaligen  Kirchenbegriffen,  verbraunt  werden,  weil
er  nicht  anerkennen  wollte,  daß  sein  Freund  ein  Ketzer  sey.
Hieronymus  starb  nicht  so  standhaft,  wie  Huß.  Die  schändlichen
  Pfaffen  setzten  ihm  in  den  Kopf,  wenn  er  revociren
wolle,  würde  er  Verzeihung  erhalten.  Er  ließ  sich  aus  Angst
dazu  bewegen,  nahm  aber  die  Revokation  wieder  zurück,  und
ging  in  den  Tod.

Man  sieht,  was  man  von  solchen  geformations-  Synoden
  erwarten  kann:  die  Wahrheit  verliert  immer,
wenn  es  auf  mehrere  Stimmen  ankommt.  Beim
großen  Haufen  ist  sie  selten  zu  finden.  —  Man
kann  sich  die  Folgen  denken,  die  in  Prag  bei  patriotischen
Böhmen  die  Nachricht  über  Huß  und  Hieronymus  bewirkte,
den  Schlag,  als  man  erfuhr,  daß  die  verhaßten  Deutschen  so
glücklich  gewesen  seyen,  zwei  der  böhmischen  Poofessoren  zu
schlachten.  Zum  Unglück  regierte  damals  ein  König,  der  den
ganzen  Tag  betrunken  war,  über  die  Folgen  der  Gährung
nicht  wachen  konnte,  der  sich  herzlich  freute,  wenn  er  von
seinem  Schlosse  in  Prag  aus  sah,  wie  die  Geistlichen  vom
Pöbel  mißhandelt  wurden,  der  nicht  argwöhnte,  daß  zuletzt
die  Folgen  dieser  Anarchie  auch  ihn  treffen  würden.  Es  stellten
  sich  ein  paar  Männer  an  die  Spitze  des  wüthenden  P#-bels.
  Der  Guteherr  des  Ortes,  woher  Huß  gebürtig  war,