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bekam  er  gar  Alle  zu  Todfeinden.  Er  war  ein  trefflicher,
scharfsinniger  Kopf,  und  von  Seiten  der  Grammatik  besser
verwahrr,  als  die  übrigen  Philosophen.  Noch  viel  schlimmer
ging  es  ihm,  als  er  in  die  Theologie  üäberging.  Doch  hätte
man  ihm  nicht  beikommen  können,  wenn  ihm  nicht  eine  Fatalirät
  passirt  wäre.  Er  bekam  die  Nichte  des  Kanonikus
Fulbert,  Heloise,  allein  zu  informiren.  Er  selbst  sagt:
da  sey  wenig  in's  Buch  gesehen  worden.  Nach  einiger  Zeit
kam  zum  Vorschein  —  ein  Sohn,  dem  der  Name  Astrolabium
  gegeben  wurde.  Er  ließ  sich  heimlich  mit  ihr  trauen.
Dieß  Geheimniß  hielt  Fulbert  nachtheilig  für  die  Ehre  seiner
Nichte,  und  machte  es  bekannt;  sie,  ihres  Gatten  Ruhm  höber
  schätzend,  als  ihre  Ehre,  leugnete  die  Ehe.  Fulbert  wüthete;
  da  ließ  Abälard  sie  in's  Kloster  nach  Argenteuil
bringen.  Ihre  Verwandten  sannen  auf  Rache,  überfielen  ihn
plötzlich  in  der  Nacht  und  mißhandelten  ihn  schmählich.  Heloise
  nahm  den  Schleier,  und  Abälard  ward  Mönch  in  St.
Denys.  Hier  machte  er  sich  dadurch  Verdruß,  daß  er  die
Meinung  problematisch  vorzustellen  anfing,  ob  Dionysius,
Stifter  dieses  Klosters,  wirklich  Stifter  des  Christenthums  in
Gallien  sey.  Er  mußte  bei  Nacht  das  Kloster  verlassen.  Abaͤ-lard
  hatte  ein  Buch  de  Theologia  geschrieben,  das  erste,
welches  den  Namen  eines  guten  Systems  verdient.  Darin
suchte  er  die  Lehre  von  der  Dreieinigkeit  aus  der  Vernunft
zu  erweisen.  Endlich  kamen  ihm  zwei  Männer,  der  heilige
Norbert  und  der  heilige  Bernhard,  auf  den  Hals.  Der
Letztere  war  ein  Biblikus,  Abälard  ein  Scholastiker.  Es  entstand
  der  philosophische  Streit  zwischen  Nominalisten
  und  Realisten,  bei  dem  schwer  zu  finden  ist,  worüber
  man  eigenrlich  gestritten  hat.  Beide  Theile  hatten  sich
so  in  abstrakte  Ausdrücke  verwirrt,  daß  keiner  den  anderen
verstand.  «