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traurig  vorstellen.  Der  menschliche  Scharfsinn  war  doch  beschästigt.
  Die  Dogmatik  war  noch  nicht,  wie  später,  eine
bloße  Compilation  und  ein  Schwall  von  philosophischen  Ausdrücken,
  Schul-Disputationen,  worunter  sie  später  oft  wie
verborgener  Goldstaub  versteckt  lag.  Luthers  Verdienst,  richtig
  charakterisirt,  ist  nicht  sowohl  ein  theologisches,  als  Verdienst
  um  die  Religion,  insofern  er  einige  Saͤtze,  die  unter
dem  Schutt  elender  Terminologie  verborgen  lagen,  in  allgemeine
  Circulation  brachte.
Aber  es  kam  in  diesen  Zustand  schon  großes  Verderben
in  der  zweiten  Periode  der  Scholastik,  die  man
mit  Thomas  von  Aquino  (1224  —  4274)  und  Bonaventura
  (1224  —  1274)  annehmen  kann,  in  der  Mirte
des  dreizehnten  Jahrhunderts.  Ein  Hauptvortheil
der  Scholastik  war  —  das  kann  nicht  geleugnet  werden  —
die  Beförderung  eines  freien  Untersuchungsgeistes,
  so  daß  man  Alles  problemarisch  hinstellen  konnte.  Aber
sobald  die  genannten  Männer  auftraten,  wurde  die  Autorität
  derselben  Gesetz.  Auch  schadeten  sie  dadurch,  daß
sie  in's  Unendliche  schrieben.  In  der  vorigen  Periode  der
Scholastik  ist  von  allen  Scholastikern  zusammen  nicht  so  viel
geschrieben  worden,  als  von  jedem  der  beiden  Männer  allein.
Die  dritte  Periode  isi  die,  welche  mit  Johannes
Duns  Scotus  (1275—1508)  anfängt.  Dieß  ist  vollends
die  eigentlich  traurige  Periode.  In  derselben  wurde  die  Idee#
von  Scholastik  vollkommen  erfüllt,  die  man  sich  darunter  zu
denken  gewohnt  ist.  Parristik  wurde  nun  ganz  Philosophie.
  Die  Sprache  verwirrte  sich  in  barbarische  Ausdrücke,
  daß  selbst  der  Erfinder  derselben  dabei  nichts  dachte.
Scotus  war  ein  Engländer,  gehbrte  zum  Franziskaner-Orden,
  wurde  1501  Porofessor  der  Theologie  in  Orford,  ein  so
rüstiger  Disputator,  daß  er  mit  seinem  ersten.  Erscheinen