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dem  Pfaffen  sagen,  wie  oft  man  gesuͤndigt,  —  es  wurde  zum
Malmlesen  angeschlagen.  Seit  den  Zeiten  der  Kreuzzuͤge  war
es  nicht  mehr  nothwendig,  ordentlich  zu  beichten,  anzugeben,
was  man  gekhan  habe,  wobei  doch  noch  oft  das  Gewissen  aufwacht;
  sondern  es  wurde  sogleich  dispensirt.  Wer  das  Kreuz
nahm,  erhielt  die  vollkommenste  Absolution;  daher  Inno,
cenz  III.  auf  der  Lateranensischen  Synode  im  Jahr  41215
eine  solche  Eoumeratio  peccatoram  im  Beichtstuhl  ausdrücklich
  zur  Pflicht  machte.

Um  die  Religion  stand  es  auch  darum  noch  viel  trauriger,
  als  um  die  Theologie,  weil  es  nun  fast  als  ganz  gewisse
Wahrheit  aufgekommen  war,  an  der  Niemand  mehr  zweifelte,
daß  der  Cleriker  ein  Wesen  höherer  Art  sey,  als
der  Laie,  gleichsam  der  Mittler  zwischen  Gott  und  dem  Laien.
Seitdem  sich  im  zwölften  und  dreizehmten  Jahrhundert  die
Begriffe  von  Transsubstantiation  ganz  feligesetzt  hatten,
  gewann  dadurch  der  Cleriker  unendlich  an  Würde.  Ließ
sich  etwas  Größeres  denken,  als  daß  der  Pfaffe  in  der  Messe
nur  vorlesen  durste  und  Gott  ein  Wunder  thun  mußte,  das
Brod  zu  verwandeln  in  den  Leib  Christi?  Der  Pfaff  war
Schoͤpfer  seines  Schöpfers.  Wenn  ein  Laie  den  Meßkanon
las,  hatte  es  keine  Wirkung,;  aber  der  gesalbte  Priesterkopf
konnte  das  Wunder  wirken.  Es  war  Kirchengesetz:  es  sey
eine  so  heilige  Sache  um  diese  durch  den  Priester  vorgenommene
  Transsubstantiation,  daß  sich  eben  deßwegen  dieser  alles
  ehelichen  Umgangs  enthalten  müsse.  Den  ganzen  alteestamentlichen
  Sprachgebrauch  vom  Priester  trug  man  auf  die
Geistlichkeit  über;  wogegen  die  evangelischen  Pfarrer  nicht
Mriester  sind,  sondern  Religionslehrer,  nicht  Vermittler  zwischen
  uns  und  Gott.

Großes  Verderben  kam  ferner  dadurch  in  die  Religion,
daß  sich  der  geistliche  Stand  vor  allen  übrigen  so  sehr  hervorzog;