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aber  nur  nicht  in  moralischer  Hinsicht.  Ja,  die  Religion
wurde  so  verderbt,  daß  man  selbst  unter  den  Laien  einen  Unterschied
  machte.  Der  erste  Grundsatz  jeder  vernünftigen
  Religionskenntniß  ging  verloren,  das  im  Verhältniß
  gegen  den  Schpfer  Alle  gleich  sehen.  Es
berrschte  nunmehr  ein  solches  Sysiem,  wie  sich's  wohl  noch
mancher  Reiche  bildet,  daß  er  leichrer  in  den  Himmel  zu  kommen
  habe,  als  der  Arme.  Freilich  konnte  er  nun  auch  leichter
  in  den  Himmel  kommen,  er  konnte  mehr  Seelen-Messen
für  sich  lesen  lassen,  passirte  also  wenigsiens  leichter  durch's
Fegfeuer  hindurch.  In  Religions-Beziehung  war  also  wirklich
  der  Reiche  glücklicher  als  der  Arme;  um  die  Zeit,  da  man
dem  gemeinen  Volke  den  Kelch  schon  lange  entzogen  hatte,
durften  ihn,  auf  besondere  Dispensation  des  Pabstes,  die  Koͤ-nige
  noch  trinken.  Was  für  ein  Unterschied  im  Denken  mußte
nicht  zwischen  einem  Reichen  und  Armen  auch  dadurch  entstehen,
  daß  der  Reiche  doch  noch  Unterricht  haben  konnte!  Er
verstand  Latein,  und  so  verstand  er  seine  Predigt,  konnte
Oouscula  der  Kirchenväter  lesen.  Aber  dem  Armen  war  Alles
  böllig  verschlossen,  aller  Zugang  zu  irgend  beträchtlichen
Religionskenntnissen  versperrt.  Sollte  er  aus  Predigten  lernen?
  Der  Predigt-Unterricht,  so  wie  er  damals  seine  Form
bekam,  und  lauge  in  der  katholischen  Kirche  behalten  hat,  ist
der  ungeschickteste  Unterricht  für  das  gemeine  Volb.  Höchsteus
  am  hohen  Festtage  eine  Predigt,  und  diese  —  lateinisch.
Der  ganze  Gottesdienst  war  nichts  als  Messe;  also  nur  hie
und  da  Predigt,  und  als  Ceremonie  behandelt,  um  die  Solennität
  eines  Tages  noch  mehr  zu  erhöhen.  Aber  vielleicht
lernte  er  aus  katechetischen  Anstalten?  Es  gab  keine.  Vor
Luher  wußte  man  von  Katechismen  nichts;  daber  machten
Luthers  großer  und  kleiner  Katechismus  eine  so  große  Revolution,
  und  die  Katholiken  waren  gezwungen,  auch  Katechismen
Srittler's  sämmtliche  Werte.  IX.  Bb.  5#