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Empfindung  gruͤndet,  ist  voruͤbergehend,  so  daß,  wenn  vom
Anfange  der  Strom  unaufhaltbar  zu  stroͤmen  scheint,  er  sich
nach  einiger  Zeit  verliert;  —  die  Koͤpfe  koͤnnen  die
Wärme  nicht  lange  aushalten.

Und  was  würde  am  Ende  herausgekommen  seyn,  wenn
die  mystische  Partei  über  die  scholastische  triumphirt  hätte?
Nichts,  als  eine  etwas  bessere,  nicht  eine  vollkommen
gute  Moral.  Die  Dogmatik  wäre  gar  nicht  verbessert
worden,  denn  um  Dogmatik  bekümmerte  sich  der  Mystiker
wenig.  Von  dem  Einflusse  theoretischer  Meinungen  auf's  Herz
hielt  er  wenig,  weil  die  Erfahrung  lehrc,  daß  oft  ein  Mensch,
der  nichts  als  Irrthümer  in  seiner  Dogmatik  habe,  gut  seyn,
ein  Anderer,  der  fast  nichts  als  orthodore  Wahrheit  in  seiner
Dogmatik  habe,  wie  ein  Schurke  leben  könne.  Also,  so
große  Hoffnungen  man  auch  hatte,  besonders  bei  der  sich
so  sehr  mehrenden  Anzahl  der  Mystiker,  daß  sie  über  die  herrschende
  Partei  der  Scholastiker  triumphiren  würden,  so  sehr
verschwand  sie.

Dann  faßte  man  aber  auch  große  Hoffnungen,  bloß  durch
stille  Aufklärung  Reformation  zu  bewirken,  und  dieß
daher:  Seit  der  Mitte  des  vierzehnten  Jahrhunderts  hatte
man  die  wichtige  Entdeckung  gemacht,  —  fast  muß  man  das
Maeuschengeschlecht  bedauern,  daß  die  Vorsehung  sie  ihm  nicht
früher  gdnnte,  —  die  Erfindung  der  Buchdrucker,
kunst.  Dieh  schien  einen  Riß  in  dem  bisherigen  hierarchischen
  Gebäude  zu  bewirken.  Kommunikation  der
Ideen,  allgemeine  Aufklärung  bis  zu  dem  niedrigsten
Volk  herab  schien  dadurch  befordert  und  beschleunigt  zu  werden.
  Es  schien  nicht  so  ganz  mehr  in  der  Gewalt  der  Geistlichkeit
  zu  seyn,  daß  der  Laie  bloß  das  wissen  dürfe,  was  der
Geistliche  ihn  wissen  lassen  wolle.  Als  Bücher  selten,  Manuseripre
  theuer  waren,  lebte  der  Laie  in  Rücksicht  auf  Aufklärung