66  Grundzüge  d.  preuß.  Verfassungs=  u.  Verwaltungsgeschichte.

nung  und  nahm  das  Land  in  Besitz.  Es  wurde  das  einzige
von  dem  Deutschen  Reich  nicht  abhängige,  deshalb  souveräne
Territorium  des  brandenburgischen  Staates.

Ihm  war  auch  vorbehalten  „die  erste  staatsrechtliche
Verwirklichung  des  Toleranzgedankens  in  Deutschland,  ja
in  Europa“  (Zorn).  Nach  dem  jus  reformandi  würde
der  —  seine  Stellung  im  Lande  übrigens  sehr  ungünstig
beeinflussende  —  Ubertritt  des  Kurfürsten  zur  reformierten
Kirche  den  Ubertritt  des  ganzen  Volkes  zur  Folge  gehabt
haben.  Die  notwendig  gewordene  Rücksicht  auf  die  Stände
(Landtagsrezeß  von  1615)  veranlaßte  ihn  zu  der  Zusicherung,
daß  der  Austritt  auf  die  fürstliche  Familie  beschränkt,  das
Land  aber  seinem  lutherischen  Glauben  erhalten  bleibe.
Ebenso  war  die  Rücksicht  auf  die  Katholiken  im  früheren
Ordenslande  Preußen  und  in  den  Landen  der  jülich-klevischen
  Erbschaft  geboten.  Schon  im  Toleranzedikte  vom
24.  Februar  1614  verbot  er  den  Geistlichen  bei  Strafe  der
Amtsentsetzung  alles  Lästern  und  Schelten  auf  andere  Glaubensansichten.


X.  In  den  30jährigen  Krieg  fällt  die  Regierung  Georg
Wilhelms  (1619—1640),  die  sich  als  eine  höchst  unglückliche
und  grundsatzlose  zeigt.  Fast  könnte  man  aber  an  die  Behauptung
  eines  neueren  Historikers  (M.  Spahn)  glauben,
daß  die  Keime  der  späteren  Erneuerung  Deutschlands  gerade
während  des  30  jährigen  Krieges  gelegt  worden  sind,  wenn
man  erfährt,  daß  gerade  Georg  Wilhelm  die  ersten  Ansätze
zu  einem  brandenburgisch-preußischen  Heere  legte.  Die  Stände
bewilligten  1620  auf  drei  Monate  die  Mittel  für  300  Mann  zu
Roß  und  1000  Mann  zu  Fuß,  weil  sie  einsahen,  „daß  die
Defension  und  Rettung  des  Landes  nicht  bloß  auf  das  Landvolk
  gestellt  werden  könnte."“

Die  ständische  Mitwirkung  bei  der  Militärverwaltung  war
deshalb  nicht  zu  umgehen,  ja  auch  der  Fahneneid  wurde  nicht