Die  Aufklärungszeit.  79

wiesen.  Immerhin  bestand  noch  die  Hälfte  des  Heeres  aus
angeworbenen  Ausländern.  1740  bezifferte  sich  die  preußische
Armee  auf  83  000  Mann.

Das  so  einheitlich  organisierte  und  absolutistisch  regierte
brandenburgisch-preußische  Staatswesen  wurde  ein  auf  Pflichttreue,
  Kenntnisse  und  Tüchtigkeit  gegründeter  Beamtenstaat,
für  den  die  Grundlagen  des  Verwaltungsrechts  Friedrich
Wilhelm  l.  auf  lange  Zeit  festlegte.  Er  machte  seinen  Staat
auch  wirtschaftlich  leistungsfähig  und  finanziell  gediegen.  Die
Staatseinnahmen  betrugen  1713  noch  3  650  000,  im  Jahre
1739  —  bei  nur  2240  000  Untertanen  —  7  Millionen  Taler;
außerdem  wurde  noch  ein  Staatsschatz  von  über  10  Millionen
Talern  angesammelt.

§  19.  Die  Aufklärungszeit.

Es  ist  die  Zeit,  da  man  von  Aufklärung  spricht  und  Rationalismus
  meint.  Die  Kräfte  des  Gemüts  kommen  nicht  in
Anschlag.  Man  will  die  Wohlfahrt  aller  und  läßt  dem  einzelnen
  nicht  die  leiseste  Freiheit,  sein  Schicksal,  seine  Lebensführung,
  sein  Verhalten  zur  Gesamtheit  selbst  zu  bestimmen.
Nicht  nur  das  öffentliche,  auch  das  private  Leben  wird  gegängelt,
  der  Einzelwille  gebunden  durch  äußere  Mächte  des
Staates,  meist  in  guter  Absicht  und  dennoch  verkehrter  Weise.
Die  bekannte  Formel:  Es  geschieht  alles  für  das  Volk,  aber
nichts  durch  das  Volk,  sagt  genug.  Ein  nüchternes  Wesen,
dem  jede  Gefühlswärme  fremd  ist,  gesättigt  mit  abstrakten
ethischen  Vorstellungen,  verdrängt  zwar  eine  rauhere  Zeit,
bedrängt  und  quält  aber  auch  die,  denen  es  nützen  will,  die
Besten  und  innerlich  Befreiten  zuallermeist.  Man  merkt  nicht,
welch  ein  Widerspruch  darin  liegt,  den  aus  der  Dumpfheit  unwissenden
  Irrens  erwachten  Massen  eine  Vormundschaft  aufzudrängen
  gerade  dann,  da  sie  zur  Mündigkeit  erzogen  worden
waren.