4  Einleitung.

Geistesbildung  des  klassischen  Altertums  statt.  In  den  zweiten  Zeitabschnitt
  sind  die  Universitäten,  vor  allem  in  Deutschland,  die  Hauptträcer
  der  zur  vollen  Selbständigkeit  emporgestiegenen  modernen
Philosophie  und  Wissenschaft  geworden.

Jeder  der  beiden  großen  Zeitabschnitte  zerfällt  wieder  in  zwei
Unterabschnitte,  sodaß  wir  auf  folgende  Vierteilung  kommen.

Erster  Abschnitt.  Das  Mittelalter.  Auf  dem  Boden  der
universellen  Kirche  und  ihres  Geisteslebens  erwachsend,  bringen  die
Universitäten  in  diesem  Zeitalter  die  abendländische  Völkerwelt  unter
die  bildende  Zucht  der  yriechischen  P’hilosophie  und  Wissenschaft,
vor  allem  des  aristotelischen  Systems;  sie  dienen  ferner  der  wissenschaftlichen
  Durchbildung  der  Kirchenlehre  und  des  Kirchenrechts
und  vermitteln  die  Kenntnis  des  römischen  Rechts  und  der  antiken
Medizin.

Zweiter  Abschnitt.  Das  16.  und  17.  Jahrhundert.  Es
ist  das  Übergangszeitalter  zwischen  Mittelalter  und  Neuzeit:  das
16.  Jahrhundert  die  Zeit  der  Renaissance  und  Reformation,  das  17.
die  Zeit  der  Entstehung  des  modernen  Staats  und  der  modernen
Gesellschaft,  und  gleichzeitig  der  modernen  Philosophie  und  Naturwissenschaft.
  An  den  Bewegungen  des  16.  Jahrhunderts  haben  die
Universitäten  bedeutenden  Anteil;  nicht  ebenso  schr  an  der  des
17.  Jahrhunderts:  die  neue  Philosophie  und  Naturwissenschaft  ist
nicht  innerhalb  ihrer  Mauern  geboren.  Die  Folge  war,  daß  sie  hinter
der  Zeit  zurückblicben  und  in  Mißachtung  sanken.

Dritter  Abschnitt.  Das  18.  Jahrhundert.  Es  ıst  das  Zeitalter
  der  Rezeption  der  modernen  Philosophie  und  Wissenschaft  durch
die  deutsche  Universität,  zugleich  das  Zeitalter  des  Übergangs  von
dem  alten  Prinzip  der  gebundenen  Lchrnorm  zu  dem  Prinzip  der
Denk-  und  Lehrfreiheit.  Die  Anlcitung  zu  selbständigem  Denken
und  die  Befruchtung  mit  philosophischen  Ideen  trat  im  Unterricht  als  die
höchste  Aufgabe  hervor.  Die  deutsche  Universität  hat  in  diesem  Zeitalter
nicht  nur  die  Führung  im  geistigen  Leben  unseres  Volks,  sondern
zugleich  in  der  Entwicklung  des  Hochschulwesens  der  europäischen
Völkerwelt  gewonnen.

Vierter  Abschnitt.  Das  19.  Jahrhundert.  Es  ist  das  Zeitalter
  des  Vordringens  der  Einzelwissenschaften  und  der  Organisierung
der  wissenschaftlichen  Forschung.  Die  naturwissenschaftliche  und
cbenso  die  historische  Forschung  emanzipiert  sich  von  aller  philosophischen
  oder  theologischen  Dogmatik,  um  in  rastloser  Einzelarbeit
  Tatsachen  zu  sammeln  und  zu  verarbeiten.  Die  deutsche