Geschichtliche  Entwicklung  der  deutschen  Universitäten.  5

Universität  behält  dabei  die  Führung,  sie  zieht  die  Forscher  an  sich,
schult  die  Kräfte  und  organisiert  die  Arbeit.  In  ihrem  Unterricht
tritt  diese  Wendung  in  der  Ausbildung  des  Seminarwesens  hervor;
die  Anleitung  zu  selbständiger  Teilnahme  an  der  wissenschaftlichen
Arbeit  gilt  als  die  vornehmste  Aufgabe  des  Lehrers.

ERSTER  ABSCHNITT.
Das  Mittelalter.

Die  ältesten  deutschen  Universitäten  sind  erst  im  14.  Jahrhundert
entstanden,  und  zwar  nicht  auf  dem  Boden  des  heutigen  Reichs,
sondern  zu  Prag  (1348)  und  Wien  (1365),  denen  sich  dann  als  älteste
Universitäten  im  gegenwärtigen  Reichsgebiet  Heidelberg  (1386),  Köln
(1388,,  Erfurt  (1392),  und  am  Anfang  des  15.  Jahrhunderts  noch
Leipzig  (1409)  und  Rostock  (1419)  anschlossen.  Um  dieselbe  Zeit
wurden  auch  in  den  östlichen  und  nördlichen  Reichen  die  ersten
Universitäten  gegründet.  Eine  zweite  Gründungsepoche  folste  gegen
Ausgang  des  Mittelalters,  als  die  Renaissance  schon  ihren  Siegeszug
durch  die  Länder  Europas  begonnen  hatte.  Ihr  verdanken  die
Universitäten  zu  Greifswald  (1456),  Basel  (1460),  Freiburg  ı.  B.  (14060),
Ingolstadt  (1472),  Trier  (1472),  Mainz  (1477),  Tübingen  (1477),  Wittenbergr
  (1502),  Frankfurt  a.  ©.  (1506)  ihr  Dasein.

Dem  Norden  und  Osten  Europas,  dem  sich  also  in  dieser  Hinsicht
  auch  Deutschland  einordnet,  war  der  Süden  und  Westen  in  der
Errichtung  von  Universitäten  lange  vorangegangen.  Die  ältesten
Universitäten  Frankreichs,  Italiens,  Spaniens  und  Englands  stammen
aus  dem  Ende  des  12.  und  dem  Anfang  des  13.  Jahrhunderts.  Die
französischen  und  italienischen  Universitäten,  vor  allem  die  Pariser,
die  seit  langem  von  zahlreichen  Deutschen  besucht  worden  war,  sind
für  die  deutschen  Gründungen  vorbildlich  gewesen.

An  der  wissenschaftlichen  Bewegung  der  Zeit  hatte  übrigens  das
deutsche  Volk  auch  schon  vor  der  Gründung  von  Universitäten
bedeutsamen  Anteil  genommen.  Albert  der  Große,  der  Erneuerer
des  Aristoteles,  der  erste  große  Systembildner  im  13.  Jahrhundert,
stammte  aus  Schwaben.  Und  Köln  war  längst  ein  wichtiger  Sitz  der
theologischen  und  philosophischen  Studien,  che  cs  von  Urban  VI.
den  Stiftbrief  für  ein  studium  generale  erhielt;  außer  Albertus
Magnus  selbst  haben  seine  Licblingsschüler  Thomas  von  Aquino  und
Duns  Scotus,  die  Begründer  der  beiden  in  der  Folge  sich  befehdenden