Geschichtliche  Entwicklung  der  deuischen  Universititen.  g

dagegsen  erhoben,  und  diese  Einwendungen  unter  Mithilfe  des
präsidierenden  Lehrers  zu  widerlegen  ist  das  Geschäft  des  Scholaren,
eine  Übung,  die  sicherlich  nicht  ungeeignet  war,  Präsenz  des  Wissens,
rasche  und  sichere  Auffassung  von  Argumenten  und  Schlagfertigkeit
in  der  Erwiderung  hervorzubringen.

Der  Studiengang  des  Scholaren  war  eng  gebunden,  Vorlesungen
und  Übungen  vorgeschrieben,  der  Erfolg  wurde  durch  die  Prüfungen
für  die  Grade  kontrolliert.  Nicht  minder  war  das  L.cben  durch  Ordnungen
  und  Vorschriften  aller  Art  geregelt;  der  Scholar,  wenigstens
der  artistischen  Fakultät,  und  sie  machte  auf  den  deutschen  Universitäten
  in  der  Regel  den  weitaus  größten  Teil  des  Bestandes  aus,
wohnte  unter  Aufsicht  der  Magister  im  „Kollegium“  oder  in  einer
„Bursc‘;  die  ganze  Lebensordnung  und  Zeiteinteilung  war,  wie  in
einem  Schulinternat,  durch  die  Statuten  bis  ins  einzelne  festgestellt.

Man  sicht,  die  deutsche  Universität  des  Mittelalters  glich  im
Unterricht  und  in  den  ganzen  L.ebensverhältnissen  viel  mehr  als  unserer
  heutigen  Universität  einer  Gelehrtenschule  mit  Internat.  Ein
amerikanisches  College  ist  vielleicht  unter  den  Anstalten  der  Gegenwart
  am  meisten  geeignet,  uns  von  dem  Leben  unserer  alten  Universitäten
  eine  Vorstellung  zu  geben,  nur  daß  die  allgemeinen
Kulturverhältnisse  dem  ganzen  Dasein  einen  andern  Zuschnitt  gaben.
Den  entsprach  auch  das  Lebensalter  der  Scholaren;  als  Normalalter
beim  Eintritt  in  die  artistische  Fakultät  wird  etwa  das  15.—17.  Jahr
anzusetzen  sein.  Auch  das  Ziel  war  ein  ähnliches;  es  handelte  sich
für  die  große  Mchrzahl  nicht,  wie  jetzt,  um  die  Absolvierung  eines
fachwissenschaftlichen  Kursus  zur  Erlangung  eines  Amtes,  sondern  in
erster  Linie  um  die  Gewinnung  ciner  allgemeinen  Bildung.  Ein  großer
Teil  der  Studierenden  vollendete  nicht  einmal  den  Kursus  der  artistischen
  Fakultät,  man  verließ  die  Universität  schr  gewöhnlich  nach
Absolvierung  der  ersten  Hälfte  des  Kursus,  dessen  wesentlicher  Inhalt
die  artes  formales,  Grammatik,  Rhetorik,  Dialektik  und  die  Hlemente
  der  Physik  waren,  mit  dem  Grade  des  baccalarıus  artium
geschmückt,  oft  wohl  auch  ohne  diesen.  Nur  cin  kleiner  Teil  ging
weiter  und  envarb  nach  Vollendung  der  zweiten  Hälfte  des  Kursus,
der  die  realen  Disziplinen,  Mathematik  und  Kosmologie,  Metaphysik
und  Ethik  umfaßte,  den  Grad  eines  Magzisters.  Es  waren  meist  solche,
die  für  die  gelehrte  Laufbahn  sich  bestimmten;  sic  blieben  dann  an
der  Universität,  um  einerseits  in  der  artistischen  Fakultät  zu  lehren,
(die  Statuten  verpflichteten  den  jungen  Magister  vielfach  zu  einer
mindestens  zweijährigen  Dozententätigkeit)  andererseits  in  den  oberen