Geschichtliche  Entwicklung  der  deutschen  Universitäten.  13

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erst  im  Zeitalter  der  Aufklärung  und  des  Neuhumanismus  zu  ziehen
gewagt.

Indem  ich  den  äußeren  Gang  der  Bewegung  als  bekannt  voraussetze,
  die  beinahe  gelungene  Eroberung  der  deutschen  Universitäten
durch  die  humanistische  Bewegungs  in  den  beiden  ersten  Jahrzehnten
des  16.  Jahrhunderts,  den  Niedergang  «les  gesamten  Studienwesens
unter  dem  Einfluß  der  kirchlichen  und  sozialen  Revolution  im  dritten
Jahrzehnt,  die  allmähliche  Wiederherstellung  und  Neugründung  protestantischer
  Universitäten  seit  dem  Ende  des  dritten  Jahrzehnts
(Marburg  1527,  Königsberg  1544,  Jena  1558,  lIelinstedt  1576),  die
sich  anschließende  Wiederherstellung  und  Neugründung  katholischer
Universitäten  unter  dem  herrschenden  Einfluß  des  rasch  aufsteigenden
Jesuitenordens  (Dillingen  1549,  Würzburg  1582),  deute  ich  nur  mit
einigen  Strichen  die  Zustände  an,  wie  sie  nach  der  vorläufigen  Konsolidierung
  der  Verhältnisse  in  der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts
sich  gestalteten.

Die  allsemeine  L.age  ist  charakterisiert  durch  die  kirchliche
Spaltung.  Die  alte  interstaatliche  und  internationale  Einheit  des
Universitätswesens,  wie  sie  auf  dem  Boden  der  einen  und  allgemeinen
Kirche  erwachsen  war,  fiel  auf  protestantischem  Gebiet  der  territoriallandeskirchlichen
  Zersplitterung  zum  Opfer;  jedes  Gebiet  strebte  sich
als  konfessionelle  Einheit  abzuschließen  und  legte  darum  Wert  darauf,
für  seine  Theologen  und  Lehrer  eine  zuverlässige  Hochschule  innerhalb
  der  Landesgrenzen  zu  haben.  Auf  katholischem  Gebiet  blieb
die  Einheit  der  Kirche  erhalten,  und  in  der  internationalen  Gesellschaft
  Jesu  entstand  eine  Organisation,  die  das  Hochschulwesen  aller
länder  nach  gleichen  Prinzipien  gestaltete  und  leitete.  Doch  hat  der
wissenschaftliche  Verkehr  die  frühere  Internationalität,  wie  sie  auch
im  persönlichen  Austausch  von  Lehrenden  und  Lernenden  stattfand,
seitdem  nicht  wieder  erreicht,  was  denn  freilich  auch  mit  der  stärkeren
Differenzierung  der  Nationen  und  ihrer  Kultur  zusammenhängt.

Der  zweite  charakteristische  Zug  ist  der  zunehmende  Einfluß
des  Staats.  Die  Sache  geht  von  den  protestantischen  Ländern  aus,
wo  die  weltliche  Gewalt  die  Kirchengewalt  als  Annexum  an  sich
brachte  und  damit  zugleich  das  Schulregiment.  Für  die  neue  Zeit
war  übrigens  diese  Säkularisierung  des  Unterrichtswesens,  von  der
Universität  bis  zur  Volksschule,  ohne  Zweifel  cine  Notwendigkeit;
die  Kirche  hatte  seit  der  großen  Erschütterung  das  unbefanscene
Verhältnis  zur  Wissenschaft,  das  sie  während  des  Mittelalters  im
ganzen  besaß,  eingebüßt;  auf  beiden  Seiten  begesnen  wir  jetzt  bei