18  Einleitung.

lichen  Pflanzstätten  wurden,  haben  sie  im  Verlauf  des  Jahrhunderts
eine  führende  Stellung  im  deutschen  Geistesleben  grewonnen..  Am
Ende  des  18.  Jahrhunderts  blickte  das  deutsche  Volk  mit  freudigem
Stolz  auf  seine  Universitäten.  Es  ist  die  Zeit,  da  die  Kantische
Philosophie  von  der  fernen  Universität  im  Osten  aus  ihren  Siegeslauf
  antrat,  nichts  geringeres  verheißend,  als  die  Weltanschauung  auf
eine  nceuc  und  sichere  Grundlage,  die  Vernunft  selbst,  zu  stellen.
Um  dieselbe  Zeit  warf  das  französische  Volk  seine  Universitäten,  die
den  Erneuerungsprozeß  durchzumachen  nicht  die  innere  Kraft  besessen
  hatten,  zum  alten  Eisen.  Und  über  Oxford  und  Cambridge
lächelten  auch  in  England  die  fortgeschrittenen  wie  über  cin  Stück
fossil  gewordenen  Mittelalters.

Der  Ausgangspunkt  der  Bewegung  war  die  neue  brandenburgisch-preußische
  Universität  Halle  (169).  Chr.  Thomasius  und
A.  H.  Francke  gehören  zu  ihren  geistigen  Gründern,  der  eine  der
Repräsentant  der  modernen  höfisch-französischen  Bildung,  der  andere
der  bedeutendste  wissenschaftliche  Vertreter  des  in  seinem  Ursprung
heterodoxen  und  in  gewissem  Sinne  auch  modern  gerichteten  Pictismus.
  Der  glorreichste  Mann  der  neuen  Universität  war  aber  der
Philosoph  Chr.  Wolff,  mit  ihm  bestieg  die  moderne  Philosophie,  im
Bunde  mit  der  modernen  Mathematik  und  Naturwissenschaft,  das
Katheder.  Die  zweite  Neugründung  war  Göttingen.  (1737),  die
Universität  des  mit  der  englischen  Welt  in  naher  Verbindung  stehenden
}Iannover,  bald  die  Hochschule  moderner  Wissenschaft  und  weltmännischer
  Bildung  für  die  vornehme  Gesellschaft.

Der  Gesamtcharakter  der  Entwicklung  dieser  Epoche  wird
bezeichnet  durch  das  Stichwort  des  Rationalismus.  Es  findet  die
definitive  Säkularisierung  des  wissenschaftlichen  Geistes,  die  Loslösung
  der  Philosophie  und  Wissenschaft  von  der  theologischen
Dogmatik  statt.  In  starker  Reaktion  gegen  den  alten  autoritativen
Positivismus  stellt  sich  die  Vernunft  auf  sich  selbst,  damit  die  letzte
Konsequenz  der  Reformation  ziehend:  es  gibt  keine  Instanz,  keinen
Menschen  und  kein  heiliges  Buch,  die  der  Vernunft  in  Sachen  von
wahr  und  unwahr,  von  gut  und  böse  autoritative  \Veisungen  zu
geben  berufen  wäre.  .

Und  zwar  ist  cs  der  Rationalismus  in  seiner  eigentlichsten  Form,
der  in  Deutschland,  im  Gegrensatz  zu  dem  von  England  her  nach
Frankreich  vordringenden  Empirismus,  die  Richtung  des  philosophischen
Denkens  bestimmt:  die  Vernunft  ist  vermögend  aus  sich  selbst  ein
Systein  notwendiger  und  ewiger  Wahrheiten  hervorzubringen,  sowohl