24  Einleitung.

mit  die  große  französische  Revolution  endete.  Im  Rausch  begonnen
und  durchgeführt,  mit  Enthusiasmus  auch  in  Deutschland  als  der
Anbruch  der  Herrschaft  der  Vernunft  auf  Erden  begrüßt,  machte
ihr  Verlauf  und  ihr  endlicher  Ausgang  in  den  Militärdespotismus
einen  niederschmetternden  Eindruck;  die  Vernunft  schien  der  Aufgabe,
  an  die  sie  so  zuversichtlich  herangetreten  war,  der  Aufgabe:
die  menschlichen  Lebensordnungen  auf  notwendige  Gedanken,  statt
auf  Gewalt  und  Überlieferung  zu  gründen,  nicht  gewachsen.  Das
Scheitern  der  Revolution  führte  zur  Restauration,  der  Wiederherstellung
  der  historischen  Mächte.  Es  befestigte  sich  die  Überzeugung,
daß  positive,  durch  die  Überlieferung  sanktionierte,  durch  die  Macht
sesicherte,  durch  die  Gewohnheit  licb  oder  erträglich  gemachte  Ordnungen
  eine  Notwendigkeit  für  geschichtliches  I.eben  scien.  Man
begann  zu  schen,  daß  mehr  Vernunft  in  dem  geschichtlich  Gewordenen
sei,  als  das  Zeitalter  der  Aufklärung  angenommen  hatte,  mehr  Vernunft,
  als  in  dem  zufälligen  und  subjektiven  Denken  staatgründender
Philosophen.

So  kam  es  zur  Wiederaufrichtung  der  alten  Staatsordnungen;
so  auch  zur  Wiederherstellung  des  Kirchenwesens,  das  die  Revolution,
den  Forderungen  der  Aufgcklärten  folgend,  definitiv  abgretan  zu  haben
meinte.  Vor  allem  erhob  sich  die  katholische  Kirche  wieder  zu  einer
Weltmachtstellung;  auf  das  Autoritätsprinzip  gegründet,  führte  sie
das  Prinzip  bis  zur  äußersten  Konsequenz  durch  und  bot  sich  nun  allen
der  Autorität  und  der  Anlehnung  bedürftirren  Mächten  als  sichere
Stütze  an.  ‚\uch  die  protestantische  Kirche  versuchte  in  ähnlicher
Bewegung  die  Schrift  und  das  Dogma  gegen  die  Kritik  und  den
Subjektivismus  im  Glauben  und  I.chren  wieder  zu  befestigen;  die
‚Aufklärung  verächtlich  machen  und  den  Rationalismus  totsagen  war
ein  Geschäft,  das  in  den  neuen  Kirchenzeitungen  mit  unermüdlichem
Eifer  betrieben  wurde.

Der  äußere  Unischwung,  der  zur  Restauration  führte,  war  aber
durch  einen  inneren  Umschlag  in  der  Stimmung  und  Denkweise
schon  vorbereitet,  es  ist  der  Umschlag,  der  von  der  Aufklärung  zur
Romantik  führte;  er  hatte  mit  J.  J.  Rousseau  begonnen.  Der  Überschwang
  des  Glaubens  an  die  Vernunft  und  die  Bildung  wich  einem
neuen  Glauben  an  die  „Natur“,  die  Gefühlsscite,  das  Irrationale  erhob
sich  gegen  den  einseitigen  Intellektualismus  der  Aufklärung.  In
Hamann  und  Herder  haben  wir  den  Roussceauismus  auf  deutschem
Boden;  auch  der  junge  Goethe  ist  von  solchen  Gefühlen  und  Stimmungen
  durchdrungen.  Die  Liebe  zum  Ursprünglichen,  Volkstün-