Gegenwärtige  Organisation  der  deutschen  Universititen.  s7

Fakultäten,  teils  durch  besondere  vom  Ministerium  genehmigte
Promotionsordnungen  geregelt.  Noch  vor  wenigen  Jahrzehnten  war
die  Erlangung  des  Doktorgrades  bei  einigen  Fakultäten  in  mißbräuchlicher
  Weise  übermäßig  leicht  gemacht,  so  daß  die  Zahlung  der
Gebühr  fast  als  die  Hauptsache  erschien.  Bei  einzelnen  war  Promotion
„in  absentia"“  zulässig,  nämlich  ohne  mündliche  Prüfung,  lediglich
auf  Grund  einer  eingesandten  Arbeit,  die  nicht  gedruckt  zu  werden
brauchte.  Bei  anderen  war  nur  cin  mündliches  Examen  erforderlich,
andere  verlangten  zwar  außerdem  eine  schriftliche  Arbeit,  aber  nicht
deren  Veröffentlichung  durch  den  Druck.  Auch  hinsichtlich  der
Vorbildung  der  Kandidaten  waren  die  Anforderungen  zum  Teil  ungenügend.
  In  der  neueren  Zeit  sind  in  dieser  Beziehung  wesentliche
Reformen  durchgeführt  worden,  namentlich  durch  die  Bemühungen
der  preußischen  Unterrichtsverwaltung,  die  Vereinbarungen  mit  den
Regierungen  der  übrigen  Bundesstaaten  über  gewisse  Minimalforderungen
  bei  der  Promotion  zustande  gebracht  hat.  Tin  Doktortitel,
  der  nicht  auf  Grund  einer  mündlichen  Prüfung  und  einer  gedruckten
  Dissertation  erworben  ist,  wird  in  Preußen  überhaupt  nicht
anerkannt.  Diese  Forderungen  werden  jetzt  auch  von  fast  allen
nichtpreußischen  Fakultäten  unbedingt,  nur  von  einzelnen  noch  mit
der  Zulassung  von  Ausnahmen  gestellt.  F:benso  wird  nicht  nur  von
allen  preußischen,  sondern  auch  von  den  meisten  nichtpreußischen
Fakultäten  unbedingt  das  Reifezeugnis  einer  neunklassigen  L.chranstalt
verlangt,  wobei  sich  aber  der  Umfang,  in  dem  außer  den  Abiturienten
der  Gymnasien  auch  die  der  Realgynmasien  und  der  Oberrealschulen
zugrelassen  werden,  in  der  neuesten  Zeit  immer  mehr  erweitert  hat,
Der  früher  allgemein  übliche  feierliche  Promotionsakt  mit  öffentlicher
Disputation  ist  an  dien  meisten  Universitäten  aufgchoben.

W.  Lexis.