66  Lehrgebiet  und  I.chrbetrieb.

Kontrolle  über  die  Regelmäßigkeit  des  Besuchs  findet  nicht  statt.
Feste  Vorschriften  über  die  Zahl  der  zu  hörenden  Vorlesungen  bestehen
  wenigstens  in  Preußen  nicht,  cs  kann  aber  bei  der  Meldung
zum  theologischen  Examen  cine  solche  beanstandet  werden,  wenn
sich  in  dem  eingereichten  Verzeichnis  der  gehörten  Vorlesungen  auffällige
  Lücken  vorfinden.  In  Bayern  besteht  noch  die  Bestimmung,
dat  jeder  Theologe  8  wenigstens  vierstündige  Vorlesungen  aus  dem
Gebiete  der  philosophischen  Fakultät  und  außerdem  Kirchenrecht
gehört  haben  muß;  in  Württemberg  wird  von  jeden,  der  sich  zum
Examen  melden  will,  gefordert,  daß  er  3  im  engeren  Sinne  philosophische,
  außerdem  4  alttestamentliche  (darunter  mindestens  2  exegetische)
  und  5  neutestamentliche  (darunter  mindestens  3  excgetische)
sodann  Kirchen-  und  Dogmengeschichte,  Kirchenrecht,  Homiletik  und
Katechetik,  Ethik  und  Dogmatik  gehört  habe.  Schr  viel  genauer
noch  ist  der  Studiengang  derer  geordnet,  welche  ını  Stift  zu  Tübingen
Aufnahme  finden,  doch  ist  auch  hier  in  neuerer  Zeit  die  Zahl  der
obligatorischen  Pensen  beschränkt  und  dafür  dem  einzelnen  Stiftler
unter  Beratung  mit  seinem  Repetenten  und  unter  Genchmigung  des
Inspektorates  des  Stiftes  die  Wahl  der  übrigen  Vorlesungen  freigelassen.
  Aber  auch  da,  wo  Zwangskollegia  nicht  existieren,  hat
sich  observanzmäßig  cine  opinio  communis  unter  den  Studierenden
über  das,  was  zu  hören  unentbehrlich  sei,  und  auch  im  ganzen  über
die  Reihenfolge  im  Studium  gebildet.  Dazu  konımt,  daß  außer  der
persönlichen  Beratung,  welche  die  Dozenten  in  allen  Fällen,  in  denen
sie  darum  angegangen  werden,  bereitwillig  den  Studierenden  erteilen,
  noch  auf  eine  doppelte  Weise  Anleitung  zu  ciner  angemessenen
Vorlesungswahl  gegeben  wird:  einmal  durch  die  Vorlesung  über
Theologische  Enzyklopädie  und  Methodologie,  die  dem  Anfänger
einen  ersten  Überblick  über  das  Ganze  der  Theologie  und  seine
Teile  und  Anleitung  zum  Betriebe  scines  Studiums  geben  will,  und
außerdem  dadurch,  daß  die  Fakultäten  dem  neu  immatrikulierten
Studenten  eine  kurze  gedruckte  Anleitung  und  Beratung  in  die  Hand
zu  geben  pflegen.  Dadurch  ist  freilich  nicht  ausgeschlossen,  daß
mancher  Anfänger  in  den  ersten  Semestern  durch  ungeschickte  Vorlesungswahl
  sich  das  Studium  erschwert  und  Zeit  verschwendet.
Beklagenswerter  noch  ist,  daß  mancher  während  seiner  ganzen
Studienzeit  bei  der  Überlegung  darüber,  was  er  hören  solle,  über  die
banausische  Frage:  braucht  man  das  notwendig  zum  Examen?  nicht
hinauswächst.  Eine  Kontrolle  über  den  Fleiß  der  Zuhörer  findet  nur
insoweit  statt,  als  alle  diejenigen,  welche  Stipendien  oder  Freitische