68  Lehrgebiet  und  l.chrbetrieb.

Katechesen  über  Bibeltexte  oder  über  Katechismusstücke  ausgearbeitet,
vor.  einer  Knabenabteilung  gehalten  und  dann  in  gemeinsamer  Besprechung
  nach  Inhalt  und  Form  crörtert.  Natürlich  können  diese
Seminare,  in  denen  der  einzelne  im  Semester  in  der  Regel  nur  einmal
Gelegenheit  findet,  eine  praktische  Probe  abzulegen,  ihren  Mitgliedern
noch  keine  Sicherheit  in  der  Handhabung  dieser  praktischen  Aufgaben
verschaffen.  Sic  haben  aber  den  Wert,  daß  nicht  nur  die  Scheu  vor
der  ersten  öffentlichen  Probe  hier  überwunden  werden  muß,  sondern
vor  allem  darin,  daß  der  Anfänger  auf  Fehler  aufmerksam  gremacht,
vor  falschen  Wegen  gewarnt  werden  kann  und  daf  er  lernt,  die  in
den  Vorlesungen  ihn  gelehrten  Regeln  der  Homiletik  und  Katechetik
jetzt  bei  seinen  eigenen  J.eistungen  und  denen  seiner  Seniinargenossen
als  kritischen  Maßstab  anzuwenden.  Zur  Einführung  in  die  Praxis  ist
auch  zu  rechnen,  dafß  neuerdings  an  zahlreichen  Fakultäten  Veranstaltung
  getroffen  ist,  die  Studierenden  durch  Exkursionen  nach  Anstalten
  der  inneren  Mission  und  Stätten  sozialer  Wohlfahrtseinrichtungen
mit  der  reichen  Entfaltung  des  charitativen  Lebens  und  mit  den  Aufgaben,
  welche  die  sozialen  Nöte  der  Gegenwart  stellen,  auf  dem
Wege  der  Anschauung  und  der  fachmännischen  Information  bekannt
zu  machen,

Die  wissenschaftlichen  Seminare  haben  in  den  letzten  Jahrzehnten
immer  mehr  an  Bedeutung  gewonnen;  der  Fortschritt,  den  an  unsern
Universitäten  die  philologischen  und  historischen  Seminare  der  philosophischen
  Fakultät  in  methodischer  Beziehung  gemacht  haben,  ist
auch  den  theologischen  Seminaren  zugute  gekommen.  In  der  Regel
leitet  jeder  Ordinarius  der  biblischen  Wissenschaften,  der  historischen
und  der  systematischen  Theologie  cine  Seminarabteilung,  in  der  er
eine  kleine  Zahl  von  Mitgliedern  in  die  Methode  wissenschaftlichen
Arbeitens  auf  seinem  Gebicte  einführt.  In  gemeinsamen  Sitzungen
werden  in  konversatorischer  Form  bestimmte  Stoffe  behandelt,  an
ihnen  Probleme  der  wissenschaftlichen  Forschung  aufgewiesen  und
ein  methodisches  Eindringen  in  den  Stoff  und  die  sich  erhebenden
Fragen  gelehrt.  Daneben  wird  in  der  Regel  jedem  Scminarmitgliede
das  Thema  für  eine  schriftliche  Arbeit  gestellt  und  diese  dann  vom
l.citer  des  Seminars  zensiert  und  besprochen.  Der  Erfolg  dieser
Übungen  hängt  natürlich  in  hohem  Maße  von  der  pädagogischen
Begabung  des  Leiters  ab,  von  dem  Maße,  in  dem  er  cs  versteht,
alle  zu  lebendiger  Teilnahme  an  der  gemeinsamen  Besprechung  heranzuziehen,
  von  der  Klarheit  und  Lehrhaftigkeit,  womit  er  die  Probleme
aufzustellen  und  zu  methodischem  Arbeiten  anzuleiten  versteht.  Zu