F.vangelisch-Theologische  Fakultät.  69

diesen  Seminarübungen  melden  sich  die  Strebsamsten  und  Eifrigsten
unter  den  Studenten.  Hier  schließt  sich  um  den  I.chrer  der  engere
Kreis  derer,  denen  es  nicht  nur  um  die  Aneignung  des  Stoffes  für
die  F,xamina,  sondern  um  die  Anleitung  zu  selbständigem  Arbeiten
und  Urteilen  zu  tun  ist.  An  größeren  Fakultäten  erhebt  sich  aber
die  Schwierigkeit,  daß  namentlich  bei  cinem  besonders  anregenden
Dozenten  die  Zahl  der  Anmeldungen  zu  seinem  Seminar  weit-  größer
ist,  als  der  Charakter  seminaristischer  Übungen  dabei  zu  beschäftigen
möglich  macht.  Für  diese  Seminare  sind  jetzt  immer  allgemeiner
besondere  Räunc  in  den  Universitäten  ausgesondert,  in  denen  zugleich
die  Seminarbibliotheken  Aufstellung  finden.  Für  die  Vermehrung  und
‚Ausstattung  dieser  Bibliotheken  sind  in  neuerer  Zeit  meist  in  dankenswerter
  Weise  reichliche  Mittel  zur  Verfügung  gestellt  worden,  sodaß
eine  ganze  Reihe  von  Fakultäten  jetzt  den  Studierenden  eine  wohleingerichtete
  Handbibliothek  zu  täglichenı  Gebrauch  bereit  halten
kann,  Diese  Bibliotheken  werden  in  der  Regel  als  Präsenzbibliotheken
behandelt,  wodurch  der  Student  veranlaßt  wird,  sich  seinen  Arbeitsplatz
  in  den  Seminarräumen  selbst  zu  suchen,  wo  er  stets  alles,  was
er  zur  Vorbereitung  und  für  seine  eigenen  Arbeiten  braucht,  zur
Hand  hat.  Es  ist  unzweifelhaft  von  Wert,  daß  der  theologisch  interessierte
  Student  hier  Gelegenheit  findet,  in  der  einfachsten  Weise
seinen  Einblick  in  die  Literatur  täglich  zu  erweitern,  auch  die  Schriften,
die  in  der  Vorlesung  genannt  worden  sind,  hier  selber  einschen  zu
können.  Freilich  steht  es  wohl  damit  im  Zusammenhange,  daß  der
Trieb,  schon  während  der  Studienzeit  cine  cigene  Handbibliothek
sich  zu  beschaffen,  bei  unsern  Studenten  in  der  Abnahme  begriffen  ist.

5.  Außer  den  Beziehungen,  in  die  der  Dozent  mit  den  Studierenden
durch  seine  Vorlesungen  und  Seminarübungen  tritt,  gibt  es  nun  noch
einen  mannigfaltig  abgestuften  engeren  Verkehr  zwischen  beiden  Teilen.
Wohl  jeder  akademische  Lehrer  hat  den  Wunsch,  auch  über  die
offiziellen  Beziehungen  hinaus  wenigstens  einem  Teil  seiner  Zuhörer
persönlich  näher  zu  treten.  Dazu  bieten  zunächst  die  regelmäßigen
Sprechstunden  Gelegenheit,  in  denen  der  Student  mit  seinen  Anliegen
vertrauensvoll  zu  seinem  Lehrer  kommen  kann.  Darüber  hinaus
werden  nach  persönlicher  Neigung  und  Begabung  die  verschiedensten
Wege  eingeschlagen,  um  einen  persönlichen  Verkehr  herbeizuführen.
Der  eine  begnügt  sich  mit  gelegentlicher  Einladung  seiner  Zuhörer
oder  Seminarmitglieder  in  sein  Haus  und  seine  Familie,  wobei  dann
der  gesellige  Verkehr  im  Vordergrunde  steht.  Andere  versuchen  es
durch  regelmäßige  offene  Abende  in  ihrem  Hause,  bei  denen  dann