70  Lehrgebiet  und  l.ehrbetrieb.

in  freier  Form  über  theologische,  kirchliche,  religiöse  Fragen  gesprochen
wird.  Wieder  andere  versammeln  cinen  festen  kleineren  Kreis  regelmäßig
  in  ihrem  Hause  zu  einem  Privatissimum,  in  welchem  eine
theologische  Schrift  gemeinsam  gelesen  oder  Exegese  getrieben  oder
wissenschaftliche  Themata  diskutiert  werden.  Hier  schafft  sich  jeder
die  seiner  Art  am  meisten  zusagende  Form.  Aber  gerade  in  diesen
freien  Bezichungen  zwischen  Dozent  und  Student,  in  denen  dem  letzteren
Gelegenheit  gegeben  wird,  das  Urteil  seines  I.chrers  über  die  Fragen
des  Tages,  über  die  religiösen  und  kirchlichen  Probleme  der  Zeit  zu
hören,  ihn  auch  als  christliche  Persönlichkeit  kennen  zu  lernen,  knüpft
sich  das  festeste  Band  zwischen  ihnen  und  hier  empfängt  der  durch
die  wissenschaftlichen  Fragen  so  häufig  in  Unruhe  versctzte,  von
Zweifeln  angefochtene,  in  seiner  Berufswahl  wohl  gar  unsicher  werdende
junge  Theologe  ein  kräftiges  und  heilsames  Gegengewicht  gegen  das,
was  ihn  beunruhigt.

Freilich  wird  cs  manchem  Studenten  sehr  schwer,  mit  den,  was
unfertig  und  unklar  in  seinem  Innern  vorgeht,  seinen  akademischen
l.chrern  sich  zu  erschlicßen.  Viel  leichter  geht  er  im  Kreise  der
Kommilitonen  aus  sich  heraus.  Daher  stellt  sich  überall  das  Bedürfnis
ein,  daß  sich  die  Studierenden  untereinander  in  fachwissenschaftlichen
Vereinen  zusammenschließen.  An  unsern  theologischen  Fakultäten
gibt  cs  daher  überall  besondere  theologische  Vereine,  häufg  ihrer
mehrere  nebeneinander  an  derselben  Universität.  Diese  unterscheiden
sich  dann  von  einander  entweder  nach  verschiedenen  Richtungen,  indem
  in  dem  einen  mehr  die  kritisch  gestimmten,  im  andern  die
konservativ  gerichteten  jungen  Theologen  sich  zusammenfinden,  oder
danach,  daß  der  cine  Verein  lediglich  eine  wissenschaftliche,  der  andere
daneben  auch  cine  korporative  Vereinigung  zur  Pflege  der  Freundschaft
  und  des  studentischen  J.ebens  sein  will.  Gelegentlich  besteht
auch  der  Unterschied,  dats  die  cinen  die  Teilnahme  der  Dozenten  an
ihren  wissenschaftlichen  Besprechungen  wünschen  und  cerbitten,  die
andern  dagegen  grundsätzlich  unter  sich  bleiben  wollen.  In  diesen
Vereinen  wird  regelmäßig  in  der  Form  von  Referat  und  Korreferat
über  die  vom  Referenten  aufgestellten  Thesen  debattiert,  wenn  nicht
einer  der  Dozenten  auf  den  Wunsch  des  Vereins  ihnen  einen  Vortrag
hält,  an  den  dann  eine  freie  Debatte  sich  anschließt.  Es  liegt  in  der
Natur  der  Sache,  daß  bei  den  Referaten  der  Studierenden  in  diesen
Vereinen  die  Themata  aus  dem  Gebicte  der  biblischen  Einleitung  und
biblischen  Theologie  das  Übergewicht  haben.  In  etwas  anderer  Weise
bieten  die  Studentenverbindungen,  welche  christliche  Prinzipien  ver-