Evangelisch-Theologische  Fakultät.  71

folgen  (Wingolf  und  Schwarzburgbund),  ihren  theologischen  Mitgliedern
auch  eine  Förderung  inbezug  auf  ihre  innere  Entwicklung  für  den
künftigen  Beruf.  Der  enge  Zusammenschluß  von  Studenten  älterer
und  jüngerer  Semester  in  derselben  Verbindung  bietet  den  älteren
reichliche  Gelegenheit,  im  persönlichen  Verkehr  den  jüngeren  auch
in  Fragen  des  Studiums  mit  ihrem  Rate  zu  dienen,  und  je  enger  und
ernster  der  brüderliche  Verkehr  genommen  wird,  um  so  mehr  ist
nahegelegt,  auch  auf  die  innere  Entwicklung  fördernden  Einfluß  zu
üben.  Von  besonderen  Werte  können  aber  auch  die  Konvikte  werden,
die  jetzt  an  einer  größeren  Zahl  unserer  Universitäten  teils  vom  Staate
selbst  errichtet  sind,  teils  aus  privaten  Stiftungen  hervorgegangen  sind,
aber  auch  in  letzterem  Falle  meist  in  bestimmte  engere  oder  weitere
Beziehungen  zu  unsern  Fakultäten  gestellt  sind.  Das  größte,  älteste
und  eigenartigste  dieser  Konvikte  ıst  das  Tübinger  Stift,  das  für  die
ganze  Studienzeit  seine  Mitglieder  aufnimmt  und  unter  dem  Inspektorate
mehrerer  Professoren,  von  denen  einer  dic  Stelle  des  Ephorus  bekleidet,
und  der  Tätigkeit  von  Repetenten  den  Studiengang  vom  Anfang  bis
zum  Abschluß  des  Studiums  überwacht,  leitet  und  durch  die  verschiedensten
  Übungen  im  Stifte  selbst  wirksam  unterstützt.  Die  andern
Konvikte  gewähren  meist  nur  für  cine  beschränkte  Zahl  von  Semestern
den  Studierenden  Aufnahme  und  einen  Teil  ihrer  Beköstigung.  Fin
jüngerer  tüchtiger  Theologe,  nicht  immer  zugleich  Dozent,  verwaltet
das  Amt  eines  Inspektors  des  Konviktes  mit  der  Verpflichtung,
bestimmte,  meist  exegetische  Übungen  mit  den  Konviktualen  zu  halten.
Dazu  kommt  der  persönliche  Verkehr  des  Inspektors  mit  letzteren
und  ihr  eigener  Verkehr  unter  einander  als  die  tägliche  Gelegenheit
zu  mannigfacher  Förderung  inbezug  auf  die  Studien  und  alles,  was
an  Fragen  das  Herz  bewegt.

6.  Das  theologische  Studium  findet  für  eine  kleinere  Zahl  den
‚\bschluß  in  der  Lizentiatenprüfung,  und  zwar  nicht  nur  für  solche,
welche  sich  dem  akademischen  Beruf  widmen  möchten,  sondern  auch
für  solche,  die  ein  besonderes  Interesse  an  einzelnen  Disziplinen  der
Theologie  gewonnen  und  durch  energisches  Studium  zu  selbständigen
Mitarbeiten  an  den  Problemen  vorgeschritten  sind.  Die  theologischen
Fakultäten  sind  die  einzigen,  die  sich  noch  aus  der  alten  Universitätsverfassung
  den  doppelten  akademischen  Grad  des  Lizentiaten  und  des
Doktors  erhalten  haben.  Für  die  Meldung  zu  diesem  Examen  ist  die
Vorlage  einer  selbständigen  und  die  Wissenschaft  fördernden  theologischen
  Arbeit  erforderlich,  deren  Drucklegung  in  Preußen  durchweg
und  auch  im  übrigen  Deutschland  meistens  verlangt  wird.  Das