Fvangelisch-Theologische  Fakultät.  73

sind,  aber  nur  im  ersten  Examen  cine  Prüfung  in  Philosophie  und
nur  im  zweiten  eine  solche  in  Pädagogik  stattfindet  und  außerdem
in  letzterem  der  Prüfung  in  den  praktischen  Fächern  der  doppelte
Umfang  und  eine  erhöhte  Bedeutung  gegeben  ist.  Homilctische  Proben
werden  bei  beiden  Examina,  katechetische  mitunter  nur  beim  zweiten
Examen  abgelegt.  Der  Gebrauch  der  lateinischen  Sprache,  der  früher
bei  einer  der  beiden  wissenschaftlichen  Arbeiten  und  außerdem  auch
bei  einzelnen  Klausuren  und  bei  einem  Teil  der  mündlichen  Prüfung
vorgeschrieben  war,  ist  Jetzt  beseitigt;  als  Ersatz  dafür  ist  nur  noch  eine
Probe  im  Übersetzen  aus  einem  lateinischen  Text  ins  Deutsche  eingestellt
  worden.  Es  entspricht  das  dem  Rückgang  im  schriftlichen  und
mündlichen  Gebrauch  der  lateinischen  Sprache,  wie  ihn  die  Umgestaltung
des  Gymnasialwesens  herbeigeführt  hat.  Freilich  ist  auch  die  Fähigkeit,
einen  lateinischen  Text  sicher  und  gewandt  zu  übersetzen,  jetzt  bei
vielen  Examinanden  betrübend  gering.  Beide  Prüfungen  werden  vor
kollegialisch  zusammengesetzten  Kommissionen  abgelegt;  auch  in
Schleswig-Holstein,  wo  bis  vor  kurzem  das  erste  Examen  nur  vom
Generalsuperintendenten  abgehalten  wurde,  ist  neuerdings  eine
Prüfungskommission  dafür  eingesetzt  worden.  Dabei  besteht  aber
der  Unterschied,  daß,  während  das  zweite  Examen  allgemein  bei
den  Kirchenbehörden  liegt  und  nur  meist  einzelne  Professoren  als
Examinatoren  zugezogen  werden,  die  erste  Prüfung  hie  und  da  in
Auftrage  der  Kirchenbehörden  von  Komniissionen,  die  aus  den
Ordinarien  der  Fakultät  zusammengesetzt  sind,  abgehalten  wird.
l.ctztere  Einrichtung  besteht  in  Preußen  noch  in  Halle  und  Königsberg,
  aber  auch  z.  B.  in  Leipzig,  Gießen,  Tübingen  und  Straßburg.
Durch  letztere  Einrichtung  ist  den  Fakultäten  die  Gelegenheit  gegeben,
den  Erfolg  ihrer  Arbeit  regelmäßig  zu  kontrollieren;  es  ist  auch  nur
natürlich,  daß  Prüfungen  dieser  Art,  von  lauter  Fachleuten  in  ihren
Fache  abgehalten,  viel  reiner  und  sicherer  das,  was  der  Student  auf
der  Universität  an  Theologie  gelernt  hat,  zur  irscheinung  bringen
können,  als  jene  Prüfungen  durch  Mitglieder  der  Kirchenbchörden,
die  nur  in  seltenen  Fällen  auch  Fachleute  auf  dem  Gebiete  sind,  das
ihnen  zur  Prüfung  zugewiesen  ist,  Dabei  erhebt  sich  dann  freilich
die  Schwierigkeit,  daß  Examinanden,  die  an  anderen  Universitäten
studiert  haben,  denen  gegenüber  im  Nachteil  sind,  welche  die  Prüfung
vor  den  ihnen  bekannten  Universitätslehrern,  deren  Unterricht  sie
genossen  haben,  ablegen.  Auch  Ichrt  die  Erfahrung,  daß  einzelnen
Professoren  über  der  fortgesetzten  Beschäftigung  mit  ihrem  Fach  und
seinen  Spezialfragen  der  sichere  Maßstab  für  das  Maß  des  Wissens,