76  J.chrgebiet  und  I.ehrberrieb.

wohl  verwirrend  wirken  und  den  Eindruck  hervorbringen,  als  ob
alles  im  Fluß  begriffen,  nirgends  fester  Boden  zu  finden  sei.  Die
Erfahrung  lehrt,  daß  einzelne  unter  diesem  Eindruck  sich  überhaupt
von  der  Theologie  oder  wenigstens  von  dem  Entschluß,  ein  kirchliches
  Amt  zu  erstreben,  wieder  abkehren.  Andere,  die  sich  vor  der
ernsten  Arbeit  scheuen,  aus  den  verschiedenen  empfangenen  Anregungen
  durch  angsestrengtes  Forschen  zu  einer  selbständigen  [Ärkenntnis
  hindurchzudringen,  wählen  den  bequemen  Weg,  nach  ihrer
Universitätszeit  einfach  Anschluß  an  die  kirchliche  Tradition  zu  suchen
und  den  ganzen  derzeitigen  Betrieb  der  theologischen  Wissenschaft
als  einen  sceelengefährlichen  Irrweg  fortan  zu  betrachten.  Aber  es
fehlt  auch  nicht  an  denen,  die,  obgleich  sie  noch  in  vielen  Beziehungen
als  Unfertige  und  Suchende  die  Universität  verlassen,  den  Wahrheitssinn
  und  die  ernste  Auseinandersetzung  mit  den  Problemen  und  dazu
die  Anleitung  zu  methodischer  Erkenntnis,  die  sie  bei  ihren  I.chrern
fanden,  als  ihren  Gewinn  fürs  Leben  und  fürs  Amt  mit  hinwegnchmen
und  die  dann  auch  unter  zunchmender  Erfahrung  lernen,  einen  voll
befriedigenden  Linklang  zwischen  Theologie  und  kirchlichem  Amt
zu  finden,

D.  G.  Kawerau.