Katholisch-Theologische  Fakultät.  83

Kirchengeschichte  auf  3-——$  Semester.  Die  Verhältnisse  sind  im
einzelnen  auffallend  verschieden.  So  werden  2.  B.  der  Moraltheologie
in  Bonn  2,  in  Breslau  3,  in  Münster  4  Semester,  also  die  doppelte
Zeit  wie  in  Bonn  gewidmet.  In  Würzburg  sind  4  Semester  für  die
Apologetik  angesetzt,  während  sie  überall  anderswo  nur  2  in  Anspruch
  nehmen  darf.  In  Breslau  entfallen  auf  die  Dogmatik  3  Semester;
in  Münster  und  Straßburg  sind  dafür  6  vorgeschen.  In  Freiburg  und
Tübingen  hat  sich  sogar  der  Gebrauch  bis  zur  Gegenwart  erhalten,
sämtlichen  Hauptfächern  nur  je  2  Semester  zu  widmen;  doch  ist
jüngst  in  Freiburg  das  Studium  der  Dogmatik  auf  4  Semester  ausredehnt
  worden.

Sämtliche  Theologiestudierenden  sind  von  ihrer  Diözesanautorität
aus  verpflichtet,  alle  Privatvorlesungen  zu  hören,  welche  die  Hauptfächer
  der  Theologie  und  die  von  derselben  Autorität  als  für  die
Aufnahme  in  das  praktische  Priesterseminar  erforderlich  bezeichneten
Nebenfächer  behandeln.  Die  Vorlesungen  über  die  Hauptfächer  geschehen
  in  4—5,  selten  in  6  Stunden  wöchentlich.  Die  Nebenfächer
beanspruchen  in  der  Regel  wöchentlich  nur  2  Stunden;  doch  sind
diese  auch  mit  1-—3stündisen  Vorlesungen  vertreten,  wie  es  auch
3stündige  Vorlesungen  über  Hauptfächer  gibt  (besonders  in  Münster).

Frei  ist  der  Besuch  der  sogenannten  Publica,  meist  einstündige
theologische  Vorlesungen,  die  für  einen  weiteren  Kreis  von  Hörern
sowohl  aus  der  theologischen  als  den  übrigen  Fakultäten  bestimmt
sind  und  auch  von  nicht  immatrikulierten  Personen  besucht  werden
können.  Die  Abhaltung  solcher  öffentiichen  Vorlesungen  über  theologische
  Fragen,  die  im  Vordergrunde  des  Tagesinteresses  stehen  oder
durch  die  Bedeutung  ihres  Inhaltes  geeignet  sind,  die  Teilnahme
rebildeter  Kreise  zu  wecken,  ist  in  den  letzten  Jahren  an  den  meisten
Fakultäten  eingeführt  worden  und  hat  sich  als  schr  lebensfähig  cerwiesen.


6.  Die  praktischen  Übungen  der  theologisch-wissenschaftlichen
  Seminare.  Preisfragen.  A.  Während  die  thcoretischen
  Vorlesungen  im  wesentlichen  der  theologischen  Ausbildung
des  Scelsorge-Klerus  in  den  betreffenden  Diözesen  dienen,  bezwecken
die  praktischen  Übungen  der  sogenannten  wissenschaftlichen  Seminare
  die  Heranbildung  von  theologischen  Fachgelehrten.  Diese  Seminare
  gehören  zu  den  wissenschaftlichen  Anstalten  der  Universitäten,
an  denen  sie  bestehen;  sie  besitzen  einen  eigenen  Vorstand,  eigene
I.okale  und  einen  Jahrescetat  für  die  Semmarbibliothek  und  an
einzelnen  Fakultäten  für  Stipendien,  die  den  Mitgliedern  der  Seminare

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