98  Lehrgebiet  und  l.chrbetrieb.

der  Theologiestudierenden  (Senestral-  und  Absolutorialexamen)  sind
durch  besondere  Bestimmungen  geregelt.

Die  Zahl  der  Studierenden  an  den  bayerischen  Lyzeen  betrug
inn  Wintersemester  1902,03  mit  ‚Ausnahme  der  Hörer  719,  im  letzten
Sommersemester  691.

II.  Die  bischöflichen  theologischen  L.ehranstalten.

1.  Neben  den  Universitätsfakultäten  und  den  Lyzeen  bestehen
in  Deutschland  noch  7  theologische  Lehranstalten*)  in  Fulda,
Mainz,  Metz,  Paderborn,  Pelplin  (für  die  Diözese  Culm),  Posen  und
Trier,  die  dem  Bischof  der  betreffenden  Diözese  unterstehen,  aber  von
den  Staaten,  innerhalb  deren  Grenzen  sic  liegen  (Preußen,  Hessen
und  das  Reichsland)  und  die  verschiedenartige  Verpflichtungen  privatrechtlicher
  Natur  ihnen  gegenüber  zu  erfüllen  haben,  als  solche  anerkannt
  werden.  Die  Ernennung  der  an  denselben  wirkenden  Professoren
  der  Theologie  steht  dem  Bischof  zu;  in  Preussen  und  Hessen
muß  aber  der  zu  Berufende  die  Fähigkeit  besitzen,  Theologie  an
einer  Universität  zu  lehren.  Die  Anstalten  selbst  unterstehen  nur  der
allgemeinen  Aufsicht  des  Staates,  wonach  Statuten,  Hausordnung,
Namen  der  Leiter  und  l.ehrer  dem  Ministerium  mitzuteilen  sind.  Sie
sind  fast  alle  mit  dem  praktischen  Priesterseminar  der  betreflenden
Diözese  verbunden  (mit  Ausnahme  von  Paderborn  und  Posen).

2.  Für  die  Aufnahme  der  Studierenden  in  die  genannten
theologischen  Lehranstalten  gelten  in  Preußen  und  Hessen  dieselben
Bestimmungen  wie  für  die  Fakultäten  und  Lyzcen,  insbesondere  die
Forderung  des  Reifezeugnisses  eines  deutschen  humanistischen  Gymnasiums,
  das  auch  eine  Vorbedingung  bildet  für  die  Anstellungsfähigkeit
  im  praktischen  Kirchendienste.

3.  Die  Zahl  der  Lehrstühle  beträgt  in  Pelplin  und  Posen  5,  in
Fulda,  Mainz  und  Trier  7,  in  Metz  und  Paderborn  8,  steht  somit  derjenigen
  der  Fakultäten  und  L.yzceen,  mit  Ausnahme  von  Pelplin  und
Posen,  nicht  nach.  Auf  diese  Lehrstühle  verteilen  sich  überall  neben
der  Philosophie  folgende  Hauptfächer  der  Theologie:  Apologetik,
Exegese  des  Alten  und  des  Neuen  Testaments,  Kirchengeschichte,

*)  Die  theologische  I.chranstalt  in  Straßburg  ist  seit  dem  1.  Oktober  1903  aufgehoben
  und  durch  die  katholisch-theulogische  Fakultät  an  der  Universität  Straßburg  ersetzt.
Als  praktisches  Priesierseminar  sowie  als  Konvikt  für  die  Theologiestndierenden  der
Diözese  besteht  aber  das  ehemalige  „Große  Seminar“  von  Straßburg  noch  fort.