Katholisch-Theologische  Fakultät.  9

Dogmatik,  Moral,  Kirchenrecht  und  Pastoral  (das  letzte  fehlt  in
Paderborn  und  Posen).  Außerordentliche  I.ehrstühle  fehlen  überall.
Die  Nebenfächer  der  Theologie  sind  in  geringerer  Zahl  vertreten,
  während  die  systematischen  Hauptfächer,  Dogmatik  und  Moral,
fast  überall  mit  größerer  Ausführlichkeit  behandelt  werden  als  an  den
Universitäten.  Die  Studienzeit  beträgt  in  der  Regel  8,  an  einigen
“Anstalten  10  Semester  mit  Einschluß  des  letzten  praktischen  Jahres.
Der  Studiengang  weist  keinen  wesentlichen  Unterschied  von  dem  der
bereits  besprochenen  Anstalten  auf;  das  erste  Jahr  ist  entweder  ganz
oder  vorzugsweise  dem  Studium  der  scholastischen  Philosophie  gewidmet.
  Darauf  folgen  die  exegetischen,  historischen,  theorctischsystematischen
  und  endlich  die  praktischen  Fächer.  Wissenschaftliche
Seminarübungen  sind  nicht  vorhanden;  dafür  ist  aber  das  Prüfungswesen
  in  der  Regel  schr  ausgebildet,  insofern  nicht  bloß  Seniestralprüfungen
  abgehalten  werden,  sondern  auch  Veranstaltungen  getroffen
sind,  während  des  Semesters  den  Eifer  der  Studierenden  anzufeuern
und  ihre  Leistungen  zu  kontrollieren.  Dazu  kommen  noch  umfassendere
  Prüfungen,  wie  z.  B.  in  Mainz  für  die  Finleitung  in  die  heilige
Schrift  und  Hebräisch  am  Ende  des  2.,  für  Philosophie  am  Ende  des
4.,  für  Kirchengeschichte  am  Ende  des  5.,  für  Dogmatik,  Moral,
K.xegese  und.  Kirchenrecht  am  Ende  des  6.  und  8.  Semesters.

4.  Wenn  nun  auch  der  Lehrgegenstand  sowie  der  Unterrichtssang
  der  bischöflichen  Seminare  denjenigen  der  Fakultäten  gleich  sind,
so  unterliegt  doch  keinem  Zweifel,  daß  Seminar-  und  Universitätsbildung
  sich  von  einander  bedeutend  unterscheiden.  Diese  Unterschiede
  bilden  die  Voraussetzung  für  die  Kontroverse  über  den
relativen  Wert  beider  Arten  der  wissenschaftlichen  Ausbildung  des
katholischen  Klerus  in  Deutschland,  die  seit  den  70er  Jahren  des  vorigen
Jahrhunderts  nicht  mchr  zur  Ruhe  gekommen  ist.  Von  den  Freunden
wic  von  denGegnern  derSeminarbildung  ist  dabei  oft  über  dasZielhinausgeschossen
  worden.  Man  wird  am  ehesten  zu  einem  objektiven  Urteil
gelangen,  wenn  man  die  Eigenschaft  der  bischöflichen  Seminare  als
theologische  Lehranstälten  von  ihrem  Charakter  als  Priestererzichungsanstalten
  trennt,  und  wenn  man  die  Institutionen,  Seminare  und  Fakultäten
  von  den  Personen  unterscheidet,  die  an  ihnen  wirken.  Von  diesem
Standpunkte  aus  leuchtet  ein,  daß  die  Seminare  als  theoretische  Lehranstalten
  den  Fakultäten  nachstehen  und  nur  als  cin  Ersatz  für  das
Fehlen  der  letzteren  angeschen  werden  können.  Tatsächlich  bestehen
auch  jetzt  nur  noch  in  jenen  Diözesen  theuretische  Seminare,  innerhalb
  deren  Grenzen  sich  keine  Universität  befindet.  Die  Abge-2°

