100  l.chrgebiet  und  I.chrbetrich.

schlossenheit  derselben  und  der  völlige  Mangel  an  geistiger  Berührung
mit  den  Organen  der  profanwissenschaftlichen  Bildung,  ihre  geringe
Ausstattung  mit  L.chrmitteln  und  wissenschaftlichen  Instituten  bedeuten
Nachteile,  die  durch  die  Vorteile  der  Seminarbildung  in  erziehlicher
Beziehung  um  so  weniger  aufgewogen  werden  können,  als  diese  Vorteile
  sich  mit  der  Universitätsbildung  harmonisch  vereinigen  lassen.
Die  geringe  Anteilnahme  der  Theologen  der  betreffenden  Diözesen
an  dem  akademischen  Leben  der  theologischen  Fakultäten,  im  Vergleiche
  mit  dem  Umstande,  daß  die  akademisch  gebildeten  katholischen
  Laien  aus  denselben  Diözesen  alle  die  Universität  besucht
haben,  bedeutet  weitere  Nachteile,  die  in  Wirklichkeit  für  das  katlıolische
  Geistesleben  in  Deutschland  größer  sind,  als  sie  von  den  einseitigen
  Freunden  der  Seminarbildung  empfunden  zu  werden  pflegen.
Dabei  ist  zu  beachten,  daß  die  Zahl  der  Alumnen  der  Priesterseminare
jährlich  700  übersteigt.

IV.  Die  praktischen  Priesterseminare.

1.  Jede  deutsche  Diözese  besitzt  in  wesentlicher  Erfüllung  des
Tridentinischen  Seminardekretes  (vom  15.  Juli  1563)  ein  praktisches
Priesterseminar,  in  welchem  die  Theologiestudierenden  in  dem
letzten  Studienjahre  ihre  unmittelbare  Vorbereitung  und  letzte  praktische
Ausbildung  zum  Empfang  der  Priesterweihe  erhalten.  Als  besondere
Anstalt  bestehen  die  praktischen  Priesterseminare  in  den  Diözesen
Breslau,  Freiburg  (in  St.  Peter),  Hildesheim,  Köln,  Limburg,  Münster,
Osnabrück,  Paderborn,  Posen  (in  Gnesen),  Rottenburg  und  Speicr,  von
denen  Hildesheim,  Limburg,  Osnabrück  und  Speier  überhaupt  keine
theologische  I.chranstalt  besitzen.*)  In  den  Diözesen  Culm  (in  Pelplin),
Fulda,  Mainz,  Metz  und  Trier  sind  sie  mit  den  theologischen  Lehranstalten
  verbunden.  In  Bayern  dienen  sie  zugleich  als  Konvikte  für
die  an  den  L.yzeen  studierenden  Theologen,  desgleichen  in  Braunsberg,
sowie  in  Straßburg  und  Würzburg  für  die  Theologen,  welche  die
theologische  Fakultät  besuchen.  Für  die  Theologiestudierenden  an
den  übrigen  theologischen  Fakultäten,  Bonn,  Breslau,  Freiburg,  München
(Georgianum),  Münster  (Borromäum)  und  Tübingen  (Wilhelnssstift)
sowie  in  Paderborn  und  Posen  existieren  eigene  Konvikte  unter

*)  In  dem  Königreich  Sachsen  besteht  weder  eine  katholisch-theologische  Liehranstalt
  noch  ein  praktisches  Priesterseminar.  Die  Stelle  des  letzteren  vertritt  jedoch  das
Wendische  Priestereminar  zu  Prag.