Katholisch-Theologische  Fakultät.  101

besonderer,  von  den  Diözesanbischof  eingesetzter  l.eitung  mit  einem
Direktor  an  der  Spitze  und  einigen  Repetenten  (in  Tübingen  7.
In  Bonn  ist  jüngst  ein  zweiter  Konvikt  errichtet  worden.

2,  Infolge  dieser  verschiedenartigen  Verhältnisse  ist  das  Unterrichtsfeld
  der  praktischen  Priesterseminare  nicht  scharf  noch  einheitlich
  abgegrenzt.  Im  großen  und  ganzen  bildet  die  priesterliche
Erziehung  und  die  praktische  Einführung  in  den  Kirchendienst  ihre
Aufgabe.  Wo  sie  aber  zugleich  als  Konvikte  für  die  Theologiestudierenden
  während  der  Zeit  ihrer  theoretischen  Studien  dienen  und
namentlich  dort,  wo  sie  mit  der  bischöflichen  theologischen  Lehranstalt
verbunden  sind,  erstreckt  sich  ihre  Tätigkeit  auch  über  ihre  begrifllichen
  Grenzen  hinaus.  In  Preußen  insbesondere  können  die  Bischöfe
in  ihren  Seminaren  auch  solche  Vorlesungen  halten  lassen,  die  in  das
l.ehrgebiet  ‘der  Fakultät  gehören.  Diese  selbständigen  Vorlesungen
haben  in  der  Regel  die  Pastoraltheologie  mit  Homiletik,  Katechetik
und  L.iturgik  zum  Gegenstande;  die  Sakramentenlehre  und  das  Eherecht
  sowie  die  Einführung  in  die  Verwaltung  des  Bußsakramentes
treten  oft  dazu.  Überall  werden  katechetische,  homiletische  und
liturgische  Übungen  vorgenommen.

3.  Der  Vorstand  der  Priesterseminare  wird  überall  von  dem
Diözesanbischof  ernannt;  in  Preußen  besteht  die  Anzeigepflicht  an  das
Ministerium.  Der  Vorstand  besteht  in  der  Regel  aus  einem  Regens
(Rektor,  Direktor,  Präses)  und  einem  Subregrens;  vielfach  kommt  noch
einer  oder  der  andere  Dozent  oder  Repetent,  Präfekt  oder  Spiritual,
sowie  ein  Choral-  und  Kirchengesanglehrer  dazu.  Eine  Ausnahme
macht  das  Priesterseminar  in  Köln,  in  dem  neben  dem  Regens  und
Subregens,  die  Pastoral  und  Exegese  dozieren,  cin  Professor  der
Dogmatik  und  Moral,  sowie  ein  Professor  des  Kirchenrechts  wirken.

Albert  Ehrhard.