110  Lehrgebiet  und  Lehrbetrieb.

suchen  soll,  stellen  keinen  Zweig  des  eigentlichen  Rechtsunterrichtes
dar  und  bleiben  darum  bei  der  hier  zu  gebenden  Übersicht  außer
Betracht.  —

2.  Die  bisher  charakterisierten  systematischen  Vorlesungen
bilden  den  Schwerpunkt  des  Rechtsunterrichtes.  Ihr  besonderer
Wert  im  Gegensatz  zum  rein  literarischen  Studium  liegt  natürlich  in
der  anregenden,  lebendigen  Wirkung  des  gesprochenen  Wortes.
Sodann  aber  auch,  wenigstens  soweit  es  sich  nicht  um  ins  Detail
gehende  Spezialvorlesungen  handelt,  in  der  konzentrierten  und  doch
wissenschaftlichen  Form,  in  welcher  den  Studierenden  der  Rechtsstoff
  dargeboten  wird.  Daher  das  Bestreben  der  Studenten,  in  den
Besitz  eines  möglichst  guten  und  vollständigen  Kollegienheftes  zu  gelangen.
  Ihnen  durch  die  Art  des  Vortrages  die  Niederschrift  eines
solchen  zu  ermögrlichen,  ist  cine  vom  Dozenten  nicht  zu  verabsäumende
  Aufgabe.  Auf  welche  Methode  er  ihr  gerecht  werden
will,  das  bleibt  seiner  Individualität  überlassen.  Für  den  Vortrag  des
Lehrers  ist  freilich  die  stete  Rücksichtnahme  auf  das  Zustandekomnien
  des  „Kollegheftes"“  ein  gewisser  Hemmschuh.  Um  sich  von
ihm  frei  zu  machen,  händigen  einzelne  Rechtsichrer  den  Studierenden
entweder  das  ganze  Kollegheft  oder  große  Teile  davon  in  Druckbogen
  aus.  Diese,  in  gewisser  Hinsicht  ideale  Liehrmethode  hat
natürlich  auch  eine  Reihe  von  nicht  zu  unterschätzenden  Nachteilen
im  Gefolge.  Eine  für  Lehrende  und  Lernende  gleich  nützliche,  auf
den  deutschen  Universitäten  vielfach  geübte  Gepflogenheit  ist  es,  den
Studierenden  bei  Beginn  des  Semesters  einen  gedruckten  „Grundriß‘‘
in  die  Hand  zu  geben.  Dieser  Grundriß  enthält  die  Kapitel-  und
Paragraphenüberschriften  der  betreffenden  Vorlesung;  in  Gestalt  eincs
Inhaltsverzeichnisses  also  die  Einteilung  des  darzustellenden  Systems.
Mittels  solchen  Grundrisses  sind  die  Studenten  rascher  in  dem  Lehrgebäude
  zu  Hause  und  dem  Dozenten  verschafft  er  die  Mögzlichkeit,
im  Bedarfsfalle  von  einzelnen  Stellen  des  Systems  auf  andere  zu  verweisen.


Eine  wertvolle  und  fast  unentbehrliche  Ergänzung  der  systematischen
  Vorlesungen  sind  die  sogenannten  Übungen,  die  jetzt  an
allen  deutschen  Universitäten  abgehalten  werden.  Im  Gegensatz  zu  den
Vorlesungen,  in  denen  sich  die  Studenten  rein  rezeptiv  verhalten,
findet  in  den  Übungen  zwischen  Lehrer  und  Schüler  ein  Gedankenaustausch
  in  Form  von  Frage  und  Antwort  statt.  Zudem  dienen
die  Übungen  dazu,  einzelne  Materien,  die  in  den  Vorlesungen  nicht
mit  einer  ihrer  Bedeutung  entsprechenden  Gründlichkeit  erledigt  werden